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von Holger Czitrich-Stahl

Die Geschichte der Arbeiterbewegung und der ›kleinen Leute‹ schlechthin erschließt sich nicht allein aus Sachbüchern oder Quellen, sondern auch aus der Literatur. Stets spitzten auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller die Feder, um die Geschichten derjenigen zu erzählen, die im Dunklen der Gesellschaft oft nicht gesehen werden. Natürlich Bertolt Brecht, aber auch Heinrich Heine, Harriet Beecher Stowe, Egon Erwin Kisch, Gerhart Hauptmann, Victor Hugo oder Bettina von Arnim stehen für literarische Werke, die sich der Schicksale des gemeinen Mannes oder der gemeinen Frau annehmen und die sozialen Umstände und individuellen Nöte ihrer Protagonistinnen und Protagonisten zur Sprache bringen, verallgemeinern und politisieren. In der DDR gab es u.a. die ›Zirkel schreibender Arbeiter‹, aus denen Autoren wie Volker Braun, Roland M. Schernikau oder Bernd Schirmer hervorgingen. Der ›Werkkreis Literatur der Arbeitswelt‹ in der Bundesrepublik Deutschland wiederum besaß in Erika Runge Max von der Grün und Erasmus Schöfer bekannte Schriftsteller. Meistens aber schrieben nicht die Arbeiterinnen und Arbeiter selbst – was in der DDR zumindest im Ansatz umgesetzt wurde –, sondern es wurde über sie geschrieben.

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von Gunter Weißgerber

Hitler? Schon wieder Hitler? Was soll es Neues geben, fünfundsiebzig Jahre nach seinem viel zu späten Tod? Alles ist bekannt, wird regelmäßig in vielen Medien besprochen und hat dennoch nicht das Ergebnis, dass es keine Hitleristen mehr unter uns mehr gibt. Eine große Mehrheit hat keinen Nachholbedarf, eine Minderheit wird auch zukünftig nicht durch Hitler- und Nationalsozialismuskritik aufwachen. So oder ähnlich war mein erstes Empfinden als ich vor einiger Zeit auf eine Rezension von »Hitler – Eine globale Biographie« stieß. Ich besorgte mir das Buch. Selber lesen ist besser denn vorgesetzt quasi relotiert bekommen.

Brendan Simms fokussiert nicht nur auf das Scheusal, den massenmörderischen Ideologen, er lenkt den Blick auch auf einen Hitler, der den Vereinigten Staaten ob ihres Lebensstandards und ihrer enormen Wirtschaftskraft in einer skurrilen Art von Hassliebe zugewendet war – ohne in deren Verfassung und den checks and balances für all das die konstitutiven Grundlagen zu erkennen. Hitler war nichtmarxistischer Sozialist mit tiefen Aversionen gegen den freien Markt, für Verstaatlichung, gegen die Bankenmacht. Brendan Simms belegt das gründlich.

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Dieses Buch war dringend notwendig. Es gibt seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zahllose wissenschaftliche Studien, Meinungsumfragen, Berichte, Kommentare und politische Brandreden zur Gefahr des ›Rechtsextremismus‹ und verwandten ›Strömungen‹. Gegenwärtig hat man als kritischer Beobachter den Eindruck, als stünde eine Machtübernahme ›der Rechten‹ unmittelbar bevor, so intensiv wird im politischen Diskurs die Gefahr ›von rechts‹ und der deshalb vorrangige Kampf gegen ›rechts‹ beschworen. Die AfD wird als vermeintliche Speerspitze des ›Rechtsextremismus‹ von Regierung, Opposition und den sie tragenden Parteien ausgegrenzt, flankiert von zahlreichen NGOs, Gewerkschaften und Kirchen.

So gibt es im politischen Diskurs zu ›rechts‹ und ›links‹ einen dominierend »asymmetrischen« Blick auf den »Extremismus«, wie die Autoren, beide Politikwissenschaftler, nüchtern konstatieren. Klaus Schroeder ist Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und Leiter des ›Forschungsverbundes SED-Staat‹ und Monika Deutz-Schroeder ist in demselben Forschungsverbund tätig. Sie geben zahlreiche Beispiele für eine anhaltende Relativierung und Verharmlosung des Linksextremismus (S. 17ff.)

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.