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Das Buch, das hier besprochen werden soll, wurde bereits in der Wochenendausgabe des ND vom 19./20. Oktober von dem Journalisten Peter Nowak rezensiert. Da eine Rezension auch zur Diskussion anregen soll, ist es aufschlussreich, darauf in einem kurzen Anlauf näher einzugehen. So schreibt er: »In seiner selbsterklärten Funktion als theoretischer Nachlassverwalter des charismatischen Westberliner Apo-Aktivisten Rudi Dutschke kritisiert Prien darin das Sozialistische Büro aus dessen Sicht.« (Nowak, Peter: Räte, Netz, Partei. Rezension ND, 19./20.10. 2019) Die Bezeichnung als ›Nachlassverwalter‹ trifft aber gerade für Carsten Prien nicht zu. Sein 2015 erschienenes kleines Büchlein Dutschkismus – Die politische Theorie Rudi Dutschkes unternimmt den Versuch über das biografische Detail hinaus einen ideengeschichtlichen Zusammenhang in den Texten Rudi Dutschkes aufzuspüren. Damit löst er das herkömmliche Narrativ ab, das Dutschke als Begründer der Grünen umso mehr hervorhebt, je weniger es ihn als eigenständigen Theoretiker wahrnimmt. Wie Hans-Jürgen Krahl war Dutschke immer beides zugleich: Aktivist und Theoretiker. Schaut man genauer hin, so lässt Nowak Carsten Prien als Nachlassverwalter erscheinen, da er seine Wiederaufnahme einer Diskussion aus den 1970er Jahren für anachronistisch hält. Dass Prien über Dutschke eben nicht nur ›Döntjes‹ zu berichten weiß, ist ihm wohl nicht ganz geheuer. Weiter heißt es: »[...] bei ihm ist Dutschke immer im Recht, seine Kritiker*innen werden teils unsachlich abgewatscht.« (Nowak, ebenda) Wo aber genau Dutschke sich verortet, welche Argumente und Perspektiven er vorträgt und wie Carsten Prien das alles einschätzt, bleibt im Dunklen. Dem Prinzip, dass eine Rezension auf präziser Lektüre und reicher Kontextualisierung auch der Motive des Autors (soweit sie sich dem Text begründet entnehmen lassen) beruht, kann Nowak nicht viel abgewinnen. Dass Prien eine historische Debatte nicht nur in philosophischer, unbeteiligter Schau rekonstruiert, ist für ihn gefährliche Parteilichkeit. Zum Inhalt des Buches weiß er lediglich zu vermelden, dass es auch Kritiker der Parteiidee gab.

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Im Jahr 2020 jährt sich zum 170. Mal der Geburtstag des bedeutenden sozialdemokratischen Theoretikers und Politikers Eduard Bernstein. Am 6. Januar 1850 im damals noch eigenständigen Schöneberg bei Berlin geboren, avancierte der auch als Historiker und Politikwissenschaftler hervorgetretene Sohn eines Lokomotivführers zu einem der wirkungsmächtigsten Vordenker der SPD nach dem Ende des ›Sozialistengesetzes‹ und zur Identifikationsfigur mit jener Strömung, die als ›Revisionismus‹ in die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung einging. Der Aufstiegswille des preußischen Reformjudentums in der Tradition der Haskala prägte auch den jungen Eduard, der mit 16 Jahren aus finanziellen Gründen das Gymnasium verlassen musste und eine Banklehre absolvierte. Doch die Erfahrungen der ›Gründerkrise‹ nach 1871 brachten den zunächst linksliberal Orientierten an die Seite der Sozialdemokratie. Im Frühjahr 1872 trat er den ›Eisenachern‹, also der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) August Bebels und Wilhelm Liebknechts bei und wirkte für sie als Agitator. Sein Onkel war übrigens der in Berlin weithin bekannte linksliberale Publizist, 1848er Revolutionär und Autor der Berliner Volkszeitung, Aaron Bernstein (1812-1884).

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Keinen inhaltlichen Schwerpunkt, aber eine neue Rubrik weisen die Macherinnen und Macher von »Arbeit – Bewegung – Geschichte« im neuen Heft 2019/II aus. Unter ›Geschichtskultur‹ sollen künftig hierin gesellschaftliche Akteure wie Geschichtsinitiativen, selbstverwaltete Archive, unabhängige Projekte zu Worte kommen, aber auch »Rezensionen zu Filmen und Theaterstücken mit historischem Bezug zu Arbeit, Arbeiterbewegung und sozialen Bewegungen sowie Berichte über Ausstellungen ihren Platz finden«, wie es im Editorial heißt. Insgesamt versucht die Redaktion offenbar, die in vielen vergleichbaren Zeitschriften sichtbare Sphärentrennung zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft aufzulösen und zu einer Öffnung hin zu einem handlungs- und kulturorientierten Umgang mit der Geschichtswissenschaft zu gelangen.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.