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von Ulrich Schödlbauer

Wer halbwegs aufmerksam die mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit die ›Ausgestoßenen der Woche‹ präsentierende Kolumne des Achse-Journalisten Kolja Zydatiss verfolgt, der muss sich irgendwann fragen … nicht, auf welche Seite er gehört oder wie weit er sich, unter den gegebenen Umständen, aus dem Fenster zu lehnen wünscht, sondern welchen Wert eine Öffentlichkeit besitzt, in der offenbar täglich ein paar Stimmbänder durchtrennt werden müssen, damit die Lüge unangefochten den Puls der Zeit bestimmt. Es erklärt sich leicht, eine solche Öffentlichkeit sei nichts weiter als eine Verabreichungsform des Unwahren und daher nicht wert, dass ein ernsthafter Mensch sich mit ihr weiter befasst. Aber damit lässt sich das Problem nicht beheben. Das Problem besteht darin, dass, wer die Öffentlichkeit flieht, über kurz oder lang den Raum des Privaten zum öffentlichen Raum umfunktioniert. Die Trennung der menschlichen Anliegen in eine private und eine öffentliche Komponente erscheint mit der Gesellschaft und wird erst mit ihr verschwinden. Negiere die erste Öffentlichkeit und du erschaffst eine zweite. Und über kurz oder lang, den gesellschaftlichen Trend vorausgesetzt, gleichen sich erste und zweite Öffentlichkeit einander an, so dass höchstens ein weiteres Stück Privatsphäre dabei verloren geht.

von Steffen Meltzer

Einige Leser werden sich noch an Böhmermanns Schmähgedicht, das an den türkischen Staatschef Erdogan gerichtet war, sehr gut erinnern. An die sich anschließenden diplomatischen und strafrechtlichen Aktivitäten inklusive. Auch Angela Merkel sprach in einem Telefonat mit dem damaligen türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu davon, dass die Verse ›bewusst verletzend‹ gewesen seien. Später nahm sie diese Bemerkung wieder zurück. Ein gegen Böhmermann angestrengtes Strafverfahren wurde eingestellt. Am 1. Juni 2017 beschloss der Bundestag einstimmig die Abschaffung des § 103 StGB (›Majestätsbeleidigung‹), die am 1. Januar 2018 in Kraft trat.

von Lutz Götze

Europa ist der Kontinent der Sprachenvielfalt. Zumindest theoretisch, denn sie ist bedroht. Es zeichnet sich täglich deutlicher ab, dass die einigende Sprache der Antike und des Mittelalters, das Latein, nunmehr ersetzt werden soll durch die neue Einheitssprache, das Englische. Auf Konferenzen, in der Politik, in den Medien und Bildungseinrichtungen wird zunehmend Englisch gesprochen: zumeist schlecht. Eltern schicken ihre Kinder in englischsprachige Schulen oder gleich auf die britische Insel, weil sie der – unbewiesenen – Überzeugung sind, damit die berufliche Entwicklung der Sprösslinge zu fördern. Entsprechend verfahren immer mehr Eltern von Migrantenkindern: Wozu noch Deutsch lernen? Stattdessen Englisch von Anbeginn an, lautet das Gebot der Stunde!