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von Lutz Götze

Europa ist der Kontinent der Sprachenvielfalt. Zumindest theoretisch, denn sie ist bedroht. Es zeichnet sich täglich deutlicher ab, dass die einigende Sprache der Antike und des Mittelalters, das Latein, nunmehr ersetzt werden soll durch die neue Einheitssprache, das Englische. Auf Konferenzen, in der Politik, in den Medien und Bildungseinrichtungen wird zunehmend Englisch gesprochen: zumeist schlecht. Eltern schicken ihre Kinder in englischsprachige Schulen oder gleich auf die britische Insel, weil sie der – unbewiesenen – Überzeugung sind, damit die berufliche Entwicklung der Sprösslinge zu fördern. Entsprechend verfahren immer mehr Eltern von Migrantenkindern: Wozu noch Deutsch lernen? Stattdessen Englisch von Anbeginn an, lautet das Gebot der Stunde!

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von Gunter Weißgerber

»… und irgendwann bist du 40 und willst irgendetwas wieder und dann weißt du nicht mehr was und wofür und dann stehst du irgendwo – in der rechten Hand ‘n Fahrschein in der linken eine Klinke ohne Tür…« (aus »Klinke ohne Tür«/Text und Musik Bayer, 1981)

Thommie Bayer? Da war doch was! Richtig, es war Ende der 70er Jahre. Julia Edenhofer stellte in ihrer Disco 3 auf Bayern 3 eine deutschsingende Newcomergruppe namens Thommie Bayer Band aus Südwestdeutschland vor. ›Rockig, intelligente Texte, ein Geheimtipp‹, so habe ich die kundige Bayern-3-Moderatorin in Erinnerung. Julia Edenhofer und Georg Kostya (»Aus meiner Rocktasche«) gehörten mit vielen anderen Westradio-Musikvorstellern zu den mir zeitlebens gut in Erinnerung bleibenden Begleitern in Beat- und Rockzeiten.

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Vom Glück, einen Nagel im Kopf zu haben

von Immo Sennewald

Unter Theaterleuten in Ostberlin war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine geläufige Redensart, Einer oder Eine habe ›einen Nagel im Kopf‹. Solche Figuren fielen dadurch auf, dass sie sich abweichend von der Normalität verhielten. Die Normen setzte eine totalitäre Gesellschaft – also changierte die Bedeutung der Redensart: Wer einen Nagel im Kopf hatte, konnte ein Psychopath sein, ein Idiot oder jemand, der sich auf irgend mögliche Art und Weise den Regeln, Bedrohungen und Verführungen vermeintlicher Normalität durch skurriles, paradoxes oder sonstwie dekonstruktives Verhalten entzog. Jedenfalls schwang, wenn das Prädikat vom Nagel im Kopf, einem langen gar, oder – Superlativ – einem rostigen, vergeben wurde, weniger Häme als eine gewisse Achtung mit. Der Nagel im Kopf war eine mit kollektiver Erwartung unvereinbare Lebensform.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.