Hans von Storch: Zur Sache Klima. Aufnahme: ©J.Xu Aufnahme: ©J.Xu

Die Absicht dieser Kolumne geht dahin, ruhiger, als es in der Publizistik gemeinhin geschieht, die Hintergründe von Aufregerthemen in Sachen Klimawandel und Klimaschutz zu erläutern, manchmal auch einfach Grundlagen zu erklären. – Hans von Storch, geb. 1949, ist Professor am Meteorologischen Institut der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN), Zweitmitglied an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) der Universität Hamburg sowie Direktor emeritus des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz Forschungszentrum Geesthacht. Er ist Spezialist für Fragen der Klimamodellierung und hat in verschiedenen Arbeitsgruppen des IPCC mitgearbeitet. Zusammen mit Werner Krauß schrieb er das Buch Die Klimafalle: die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung (2013).

 

Gastbeitrag von Uwe Grünewald

In den letzten Sommern traten auch in Europa verstärkt Dürre und Trockenheit auf. Sie gaben und geben Anlass zu vielfältigen medialen Spekulationen und fachlichen Diskussionen. Über eine besonders beachtenswerte Studie im Fachjournal Nature Geosciencewird in diesem Zusammenhang u.a. in [1], [2] aber auch [3] berichtet. Danach lieferten Untersuchungen mit spezifischen Isotopen-Analysen zu Baumringen von 147 europäischen Eichen, die den Jahren 75 vor Chr. bis 2018 nach Chr. zuzuordnen waren, hervorragende Einblicke in die Entwicklung der hydroklimatischen Bedingungen in diesem Zeitraum von 2100 Jahren. Die umfänglichen und sorgfältigen dendrochronologischen Rekonstruktionen weisen auf große Schwankungsbereiche von Nass- und Trockenperioden über die Jahrhunderte in Europa hin. Sie lassen aber vor allem den Schluss zu, dass der Kontinent von der Zeit des Römischen Reiches bis heute immer mehr ausgetrocknet ist. Dafür aber allein meteorologische oder klimatologische Ursachen – wie in [1] und [2], aber auch in [4] diskutiert – verantwortlich zu machen, scheint zu kurz gegriffen. Hier müssen auch der vom Menschen verursachte Landnutzungswandel, insbesondere die Entwaldung, der Waldnutzungswandel, die Flächenversiegelung und Zersiedelung, sowie der Verlust an Feuchtgebieten und Mooren, in die Datenanalysen und Modellsynthesen im Zusammenhang mit Klimaschutz- und Anpassungsstrategien Eingang finden.

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von Hans von Storch

Dass die wissenschaftliche Konstruktion des menschengemachten Klimawandels einen realen Vorgang im Erdsystem darstellt, ist seit längerem empirisch und theoretisch wohl abgesichert, auch wenn es hier und da noch Menschen gibt, die die wahrgenommene Klimaschutzpolitik ablehnen und in ihrer argumentativen Not darauf verfallen, dass dann eben die wissenschaftliche Grundlage falsch sein müsse.

Also, die vergangenen und fortgesetzten Freisetzungen insbesondere von CO2 führen zu einer Veränderung des Klimas – eine oft genutzte Maßzahl ist die Änderung der global gemittelten Lufttemperatur in Bodennähe seit Beginn der Industrialisierung. Bis dato stieg diese Zahl um etwa 1 Grad. Die Klimawissenschaft beschreibt die längerfristige Änderung als proportional zur Gesamtmenge des von Menschen überall auf der Welt freigesetzten CO2 seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Was bisher freigesetzt wurde kann auf absehbare Zeit nicht in nennenswertem Umfang wieder aus der Atmosphäre entfernt werden.

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von Hans von Storch

Facebook ist ein Ort, an dem sich viele mit kurzer Reaktionszeit austoben, jedes Maß an Zivilisiertheit fallen lassen und rohe Dummheit walten lassen. Aber es gibt auch andere – und so habe ich eine ganze Reihe kompetenter, angenehmer und intellektuell herausfordernder Leute dort angetroffen und mich mit einigen in einem stetigen konstruktiven und offenen Austausch angefreundet. Immer wieder erreichen mich gute Anregungen von dort – eine war vor wenigen Tagen diese:

»… mir ist gerade von Akademia.edu Dein Aufsatz von 2020: (https://www.academia.edu/43928857/Wollen_wir_Wissenschaftliches_Wissen_oder_Wahrheit) empfohlen worden, in dem Du Dich mit ›Folge der Wissenschaft‹ und Dieter Nuhr befasst. Darin lese ich folgenden Satz – aus dem Zusammenhang gerissen: ›Ergebnisse gelten dann als vorläufig abgesichert, wenn sie einer organisierten, andauernden Falsifikation ausgesetzt werden.‹ – und ich frage mich, welchen Status dann Eure Modelle darin haben, die ja nur schwerlich einer ausdauernden Falsifikation ausgesetzt werden können. Oder sehe ich das falsch? Meinst Du, indem Ihr die Modelle fortwährend durch neuere Erkenntnis anpasst und an deren Schrauben dreht, würden sie damit der Falsifikation ausgesetzt?‹«

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.