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Helga Grebing

von Siegfried Heimann

Am 25. September 2017 ist Helga Grebing gestorben. In den Nachrufen wird immer wieder – und zu Recht – ihre Bedeutung als Wissenschaftlerin und als einflussreiche Sozialdemokratin gewürdigt. Sie war seit Februar 1972 „ordentliche Professorin für die Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“  in Göttingen – die „erste Ordinaria der Philosophischen Fakultät“ überhaupt. Von 1988 bis zu ihrer Emeritierung im Jahre 1995 leitete sie als Direktorin das „Institut zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung" in Bochum. Die Zahl ihrer Bücher, Aufsätze und Rezensionen sprengt jede Literaturliste. Sie war und ist die wichtigste Historikerin der Geschichte der deutschen und europäischen Arbeiterbewegung. Als Mitglied der Grundwertekommission und der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD stritt sie dafür, dass die Partei ihre Geschichte nicht vergaß. Weniger bekannt und weniger gewürdigt ist die Tatsache, dass Helga Grebing zeit ihres Lebens mit ihrer Arbeit auch ihre eigene Biographie zum Thema machte.

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von Peter Brandt

Der 1875 in eine sechsköpfige Arbeiterfamilie hineingeborene Paul Löbe wirkt mit seiner Mischung aus tiefer demokratisch-sozialistischer Grundüberzeugung, Organisationspatriotismus und pragmatischem politischen Handeln wie die Inkarnation der Funktionärsschicht der klassischen Sozialdemokratie. Es bleibe dabei nicht unerwähnt, dass es nach 1945 in der SPD Vorbehalte gegen ihn gab, weil er im Frühjahr 1933 zusammen mit den anderen Mitgliedern des Inlands-Parteivorstands – ein Teil war schon nach Prag ausgewichen – bemüht gewesen war, den Faden der Legalität bis zum endgültigen Verbot der SPD weiterzuspinnen – in der Hoffnung auf ein halblegales Überwintern in der Diktatur. Dieser illusorische Versuch, orientiert an der Erfahrung des Bismarck’schen Sozialistengesetzes der Jahre 1878 bis 1890, bewahrte Löbe nicht davor, im „Dritten Reich“ zweimal in KZ-Haft zu gelangen. Wie alle sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten hatte er an dem Diktatur-Ermächtigungsgesetz die Zustimmung verweigert.

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Reinhard Strecker 2016. (c) Ulrich Horb
Reinhard Strecker 2016. (c) Ulrich Horb

von Siegfried Heimann

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hieß es leider zu Recht: „Der Kaiser ging, die Generäle blieben…“ Es stellte sich freilich schnell heraus, dass nicht nur die Generäle geblieben waren: In Schulen und Universitäten, in Verwaltungen und in der Justiz der Weimarer Republik waren Monarchisten und andere Feinde der Demokratie zu Hauf zu finden. Sie alle in ihren einflussreichen Ämtern zu lassen, sollte sich als einer der Geburtsfehler der Weimarer Demokratie erweisen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es nur scheinbar anders. Die größten Verbrecher, einschließlich des „Führers“ waren tot. Viele Andere aber wollten nur „Beihilfe“ geleistet, „nur“ Befehle ausgeführt oder „nichts gewusst“ haben. Die Alliierten drängten auf eine Entnazifizierung, sie blieb in Ost und West halbherzig und wurde schließlich im Westen zugunsten des neuen Verbündeten im Kalten Krieg, der wiederbewaffneten Bundesrepublik, ganz eingestellt. „Einmal muss doch Schluss sein mit der Vergangenheitsbewältigung“ hieß es schon in den fünfziger Jahren in einer ständig wiederholten Parole. Widerspruch dagegen gab es, aber er wurde wenig gehört in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die dem platten Antikommunismus als Gründungsideologie verpflichtet war.