Aufnahme: ©rs

Das Einstein in der Kurfürstenstraße – mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße – ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne des Berliner Philosophen Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt – in loser Folge – die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache. 

 

… neulich vor dem Einstein

kam mir das Diktum des Novalis in den Sinn, als ich von Protesten dagegen hörte, die Verse einer (›schwarzen‹) Poetin einer (›weißen‹) Übersetzerin zu überlassen … war das eine Weinkrämpfe auslösende, unerhörte Identitätsanmaßung? Ursprünglich jedenfalls nicht. Denn beide – die Lyrikerin Amanda Gorman und die Übersetzerin Marieke Lucas Rijneveld (noch jüngst mit dem International Booker Prize ausgezeichnet) – waren sich gegenseitig gewogen, beide literarisch ähnlich interessiert und sie fanden auch einen (holländischen) Verlag, der sie drucken wollte; eine überaus normale ›Büchermacherei‹.

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… neulich vor dem Einstein

war jemand neugierig auf eine neue Rede zum alljährlichen Holocaustgedenktag. Es käme hier, so das frische Interesse, zum ersten Mal ›die Jugend‹ zu Wort, um das Gedenken an die Shoa – nach dem Ende der Zeitzeugenschaft – weiterzutragen. Die junge Referentin begann – durch ihre Begrüßungsformel – vielversprechend mit der Betonung des Allgemeinmenschlichen als demjenigen, das der deutsche Nationalsozialismus aus der Welt zu tilgen versucht habe.

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… neulich vor dem Einstein

zeigte sich ein Freund befremdet von einem Radio-Morgenkolumnist, der uns schlicht nahelegte, den Autismus des heiligen Kindes Greta als Chance für die anstehende Heilung der Gesellschaft (weil die Gesellschaft jetzt selber pathogen sei) zu begreifen: Einige Probleme, mit denen ›Asperger‹ zurechtkommen müssten, sollten neue allgemeine Verhaltens- und Begegnungsformen werden; sie sollten eingeübt werden als Mittel zu unbestimmt – guten – Zwecken. Das beträfe u.a. deren (uns zunächst als egozentrisch wahrgenommene) soziale Interaktionen und Kommunikation; ihr schroffes, von wenig mitmenschlicher Empathie getragenes ›überreifes‹ Sonder-Selbstbewusstsein mache uns alle erst sensibel für die allmächtigen Probleme unserer Welt…

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.