Aufnahme: ©rs

Das Einstein in der Kurfürstenstraße – mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße – ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne des Berliner Philosophen Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt – in loser Folge – die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache. 

 

... neulich im Einstein

erinnerte mich Freund Ulrich – suffix-überladen als ›LiteraturprofessorIn‹ und ›AutorIn‹ ausgewiesen – an einen Satz von Heinrich Heine, demzufolge die deutsche Sprache sehr reich sei, in Form und Wort, dass wir aber für unsere Konversation nur ein Zehntel dieses Reichtums aufwendeten, also faktisch spracharm seien. Darin scheint man sich überall einzurichten, und verfällt – um diese Armut zu kaschieren – auf (armselige) sprachliche Pirouetten, die einen Reichtum imitieren sollen: So soll neu diversity in Erscheinung treten. Überall in der administrativen Kommunikation dominiert bereits dieser ›Gender‹-Einbruch in die orthografische und lexikalische Formkultur des Deutschen.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

 … neulich im Einstein

musste ich lange auf Freund Miloš (aus Prag) warten – aber er hatte mir schon eine ›E-Mail‹ geschickt: sein Zug sei gecancelt worden … Das war der seit langem einzig korrekte Gebrauch dieses Verbs, soviel ich hörte. Aber ›abgekanzelt‹ zu werden, ist eine gegenwärtig überall und von ›den Vielen‹ auszuhaltende demokratie-pädagogische Zumutung: how dare you!, Du gehst ungerührt die Mohrenstrasse entlang? Trägst keine Maske? Liest Shakespeare oder George? Isst Fleisch? Kaufst ›rechte‹ Bücher? Vergisst mit ›man‹ die ›Frau‹? Unsereins lässt das – nolens volens – gern gelten als eine Meinung neben anderen, gedeckt durch den – unbedingten! – Wert: Meinungsfreiheit.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

neulich – auf dem Weg ins ›Einstein‹

sah ich (in Bronze) Kant und Lessing im Gespräch; beide hätten Geschichten über sich zu erzählen, die in der Menge als (modern) Fakes Stimmungen zu erzeugen in der Lage wären. Beide mussten sich als Polarisierer, Zyniker und Atheisten, gar als Nihilisten bezeichnen lassen. – Bei Kant geht die (von Akademikern) erzeugte Pogromstimmung derzeit soweit, ihn aus der Diskursgemeinschaft unter dem Friedrich-Denkmal herauszuschneiden…

Aufnahme: ©rs 2020

Aber: Nirgends in Kants Theorie über den Menschen, nirgends in seiner Schrift Von den verschiedenen Racen der Menschen (1775) ist etwa ein Platz für einen Begriff wie ›jüdische Rasse‹ auszumachen. Der Begriff ›Rasse‹ wird von ihm generell in der Naturgeschichte gebraucht, um »den Klassenunterschied der Thiere eines und desselben Stammes, so ferne er unausbleiblich erblich ist« zu bezeichnen.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s
POLITIK GESELLSCHAFT KULTUR GESCHICHTE
Deutschland Modelle Fluchten Zeitgeschichte
Europa Identitäten L-iteratur Personen
Welt Projektionen Medien Entwicklungen
Besprechungen Besprechungen Ausstellungen Besprechungen
    Besprechungen  

Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.