Monika_Estermann_Im_Feuer.jpg

von Johannes R. Kandel

In der Grundschule in den fünfziger Jahren hatten wir einen Klassenlehrer, der Geschichte und Deutsch unterrichtete. Er hatte den Zweiten Weltkrieg als junger Soldat überlebt und war dann ins pädagogische Fach gewechselt. Er war ein guter Lehrer und wenn er mitunter Geschichten aus dem Krieg erzählte, dann waren wir mucksmäuschenstill, weil es erschreckend aber spannend zugleich war. Am Ende des Unterrichts ließ er oft seine Geige erklingen und gab eine Vertonung von Schillers berühmten Versen aus dem Wilhelm Tell zum Besten:

»Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft; Dort in der fremden Welt stehst du allein, ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt«.

Begeistert sangen wir mit. Unsere Eltern, denen wir das erzählten, haben sich nie beschwert. Das wäre heute völlig undenkbar, ein solcher Lehrer hätte sogleich die Elternschaft, das Lehrerkollegium und die Schulbehörde auf dem Hals: Rüge, Entlassung, Schmähung in den öffentlich-rechtlichen und sozialen Medien.

Patriotismus, geschweige denn Nationalismus, sind mega-out in unserer multikulturellen, kosmopolitischen Gesellschaft der offenen Grenzen und des postmodernen Dekonstruktivismus.

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von Gunter Weißgerber

17. November 2020

Anlässlich meines Ausscheidens aus dem Deutschen Bundestag 2009 schenkte mir der Bundestagspräsident Norbert Lammert eine Nationalflagge. Wir kannten uns aus dem Ältestenrat gut und er wusste, noch über meiner SPD-Mitgliedschaft stand für mich die ›Mitgliedschaft‹ in der Bundesrepublik Deutschland. Nur dieses Gemeinwesen gewährt Meinungs- und Demonstrationsfreiheit und damit auch das freie Agieren politischer Parteien. Für diese Freiheiten im Rahmen des demokratischen Nationalstaates stehen seit den Befreiungskriegen 1813/1825 die Farben ›Schwarz-Rot-Gold‹.

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Offener Brief an Jana Hensel

von Werner Schulz

Werte Frau Hensel,

was haben Ihnen die Bürgerrechtler nur angetan, dass Sie sich so arglistig an ihnen abarbeiten? Da Sie im tiefsten Jammerton der Enttäuschung in der ZEIT im Osten Nr. 29/2020 einen sehr persönlichen Text geschrieben haben, in dem auch ich erwähnt wurde, will ich Ihnen auch ganz persönlich darauf antworten. Von Wolfgang Leonhard kennen wir die Geschichte, wie die Revolution ihre Kinder entlässt. Sie hingegen versuchen als verlassenes Kind die Revolutionäre zu entwerten. Ich kann ja verstehen, dass Sie seit Jahren darum bemüht sind sich die Deutungshoheit über den Osten zu erschreiben. Aber dass Sie nun wie ein Oberzensor versuchen, die Bürgerrechtler in die »Guten« und die »medialen« zu zerlegen, übersteigt Ihre Kompetenz und analytischen Fähigkeiten. Völlig unerwähnt bleiben in Ihrem Artikel diejenigen, die nach rechts abgedriftet sind. Kein Wort über deren Entwicklung und Beweggründe ihrer heutigen Positionen. Ihnen geht es vielmehr darum die wenigen Prominenten, die Ihr Ostbild stören und noch Gehör finden zu delegitimieren. Wobei Ihre »Guten«, wie Friedrich Schorlemmer, wahrlich kein mediales Präsenzdefizit beklagen können. Die medialen »Damen und Herren Bürgerrechtler« sind hingegen laut Klaus Wolfram: »Moralisten, Karrieristen und Opportunisten«! Ein Urteil, das Ihnen als Nachgeborene nicht zusteht, wie Sie schreiben, das Sie aber gern aufgreifen und verwenden, um Ihren Begründungstext darum zu ranken. Nun weiß kaum jemand wer ihr Souffleur ist, der unlängst durch eine umstrittene Rede in der Akademie der Künste auf sich aufmerksam gemacht hat. Eine Rede voller Geschichtsklitterung, die der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk im Wesentlichen widerlegt hat.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.