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von Max Ludwig

In der Ukraine führt die NATO Krieg gegen Russland mit der Absicht, im Land einen Systemwechsel herbeizuführen, wie das auch für Irak, Afghanistan, Libyen oder Syrien vorgesehen war. Ein Freund fasste es folgendermaßen zusammen: »Die Ukraine soll, obwohl sie früher fest ein Bestandteil der russischen Einflusszone war, in die Gruppe des kollektiven Westens wechseln und kulturell, militärisch und ökonomisch Frontstaat gegen Russland werden. Ferner soll als mittelfristiges Ziel in Russland ein Regimewechsel herbeigeführt werden, kurzfristig soll Russland geächtet, geschwächt und isoliert werden.«

Es soll in Russland ein dem Westen genehmes politisches System etabliert werden, das ihm die Ausbeutung russischer Ressourcen ermöglicht – nach dem Muster der westlichen Unterwerfung der kohlenwasserstoffreichen arabischen Länder. Wie kommen wir auf diese Idee? Lässt sie sich verwirklichen?

von Heinz Theisen

Henry Kissinger sieht den Westen heute am Rande eines Krieges mit Russland und China über Themen, die wir teilweise selbst geschaffen haben, ohne eine Vorstellung davon, wie das überhaupt enden wird oder wohin es führen soll. Alles, was man tun könne, sei, die Spannungen nicht zu verstärken und Optionen zu schaffen, aber dafür müsse ein bestimmtes Ziel vorhanden sein.

Ein solches Ziel könnte eine multipolare Weltordnung sein, die nach dem Scheitern des westlichen Universalismus und des Globalismus die Machtpole USA, China, Russland, Indien und gegebenenfalls Europäische Union sich gegenseitig begrenzen und in ihren Einflusssphären anerkennen würde.

von Helmut Roewer

In diesem Beitrag versuche ich, die Entwicklung des Ukraine-Konflikts der letzten neun Monate so zu schildern, dass die Verlautbarungen beider Seiten gegeneinander abgewogen werden können. Dies ist das dritte Mal, dass ich mich zum Thema zu Wort melde. Gegenwärtiger Anlass ist die Ankündigung des russischen Präsidenten Putin, die Gas-Zufuhr über Northstream I ab dem 8. September 2022 so lange zu sperren, bis die Sanktionen gegen sein Land aufgehoben werden. Diese Maßnahme trifft in erster Linie Deutschland. Das ist Anlass genug, um Bilanz zu ziehen.

Ein zusätzlicher Grund, diesen Artikel zu schreiben, ist dem Bedürfnis geschuldet, dem Neu-Guru aller Alternativen, Thilo Sarrazin, zu widersprechen, der sich soeben ganz im Sinne des Wertewestens über die von ihm befürwortete verschärfte Kriegführung gegen Russland geäußert hat (Tumult III/2022, S. 8-13).