von Siegfried Prokop

Das Heft 1 erschien im Januar dieses Jahres. Die Mehrheit der Beiträge bezieht sich auf den Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen.

Vera Bianchi befasst sich mit Frauenorganisationen der Anarchistinnen in Deutschland und Spanien. In Deutschland wurde 1920 der Syndikalistische Frauenbund gegründet, in Spanien kurz vor Beginn des Spanischen Bürgerkrieges die Mujeres Libres (Freie Frauen). Beide Organisationen kamen trotz Unterschieden der Berufstätigkeit der Mitglieder und der Frage, ob Männer zugelassen sind, zu ähnlichen Positionen, die sie mit vergleichbaren Aktivitäten unterstützten. Ihr Hauptziel bestand in der Errichtung einer freien Gesellschaft für alle Menschen. Mittelfristige Ziele lauteten: Bildung und Erziehung von Frauen und ihre Gewinnung für die anarchistische Bewegung. Durch die Herausgabe von Zeitungen, die Durchführung von Bildungs- und Ausbildungskursen sowie von Vortragsabenden zu aufklärerischen Themen konnten viele Frauen erreicht werden.

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von Holger Czitrich-Stahl

Wie über Paul Singer, Georg Ledebour, Arthur Stadthagen oder Kurt Rosenfeld lässt sich leider auch über Paul Levi (1883-1930) feststellen, dass Leben und Werk dieses bedeutenden Sozialisten der späten Kaiserzeit, der Novemberrevolution und der Weimarer Republik weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Allein die in Ursprünglichkeit in Berlin, jetzt in Dortmund erscheinende linkssozialdemokratische ›Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft‹ (spw) erinnert durch ihren Namen seit rund vier Jahrzehnten an jene politische Zeitschrift, die Paul Levi 1923-1928 herausgab und die fortan mit dem ›Klassenkampf‹ von Max Seydewitz, Kurt Rosenfeld etc. fusionierte und den marxistischen Flügel der SPD programmatisch repräsentierte. Dass Thilo Scholle, ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der Jungsozialisten in der SPD und Redakteur der aktuellen spw jüngst eine 82seitige handliche und hervorragend lesbare Kurzbiographie Paul Levis veröffentlichte, ist somit zu begrüßen. Diese Schrift, erschienen in der Reihe ›Jüdische Miniaturen‹ als Band 206 bei Hentrich und Hentrich, steht im Kontext der Rekonstruktion der umwälzenden Entwicklungen von 1917-1919, die als russische Oktoberrevolution und als Novemberrevolution in Deutschland das politische Antlitz Europas und der Welt für Jahrzehnte veränderten. Der Autor verweist in seinen einleitenden Bemerkungen auch auf die Desiderate der Levi-Forschung; immerhin befindet sich seit kurzem eine Gesamtausgabe in der Erarbeitung.

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von Holger Czitrich-Stahl

Unter den Historikern der DDR gehörte Günter Benser (geb. 1931) zu den bedeutendsten. Er verfasste Monographien, gab Quelleneditionen zur Geschichte der kommunistischen Partei und Bewegung in Deutschland heraus und publizierte zur Arbeiterkultur, in deren Milieu er aufwuchs. Für sein in der DDR entstandenes Schaffen wurde Benser, der heute noch u.a. für den Förderkreis Archive und Bibliotheken der Geschichte der Arbeiterbewegung tätig ist, mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Nach ›Wende und Anschluss‹, wie er das Zustandekommen der deutschen Einheit zuspitzt, setzte er sich mit der Geschichte der DDR und ihrer ›Abwicklung‹ auseinander, die er am Schicksal des Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung (IfGA) und dessen Auflösung durch die ›Treuhand‹ 2013 dokumentierte.

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