Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens

Die Ökonomie der Illusion gebietet – ja, sie gebietet! –, die Rechte des Individuums, oder was der Einzelne dafür hält, herunter­zu­brechen auf das Recht der Selbsttäuschung: Nur die Täuschung ist genehm, die im Gewand der Selbst­täuschung daherkommt, die dem Vorurteil schmeichelt, vor allem dem, Bescheid zu wissen. Jeder weiß Bescheid – dafür vergisst er viel. Die Ökonomie der Illusion und die des Vergessens sind eins.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
Laska Freyh auf Twitter

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By 4028mdk09 - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14494477

Der lange Abgang einiger bedeutender Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Politikszene, zum Teil bereits vollzogen, zum Teil mittelbar oder unmittelbar bevorstehend, bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Grammatik und Lexik der deutschen Sprache, was zum Beispiel daran zu erkennen ist, dass der hiesige Genitiv, also die persönliche Zuschreibung, seit einiger Zeit dem Akkusativ zu weichen beginnt: Schuldig, aber nicht verantwortlich!

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Tanz auf dem Guglhupf

Der neunzehnte Deutsche Bundestag verfügt über 709 gewählte Abgeordnete. Bei einer Schwankungsbreite von drei bis sechzehn (und einem Durchschnitt von acht) Familienmitgliedern ergibt das, die damit anstehenden Familienzusammenführungen hochgerechnet, für die nächsten drei bis dreieinhalb Jahre einen Parlamentsaufwuchs von 5672 Personen. Da es sich dabei um eine faktenbereinigte Schätzung, sprich Ansichtssache handelt, steht es jeder Partei frei, diese Zahl ihrem Eigenbedarf entsprechend beliebig zu verringern oder zu erhöhen.

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#metoo

Deutsche Medien, eifrig um Aufklärung bemüht – welch schöner, welch herzzerreißender Anblick! Es wurde auch wieder Zeit. Jetzt zerreißen sie einen Herrn namens Wedel, Regisseur seines Zeichens, die Fans werden sich erinnern. Ein Tipp für Kinogänger, ganz wie in alten Zeiten. Der Herr hat, hätte, soll, sollte, müsste … man könnte abwarten, was daraus wird, doch sein Krisenmanagement ist, wie es heißt, erbärmlich, da endet alle Nachsicht.