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von Immo Sennewald

Ging es während der Ausbreitung von Covid-19 um den Kampf gegen Krankheit und Tod? Gewiss. Alle Erkrankten, ihre Angehörigen, das Personal in Krankenhäusern und Arztpraxen kämpften nach besten Kräften, oft bis sie damit am Ende waren – der Tod siegte weltweit millionenfach. Aber das vollbrachten nicht die Viren allein, nicht einmal dort, wo die natürlichen Abwehrkräfte infizierter Menschen schon durch Alter, Vorerkrankungen, prekäre Lebensverhältnisse geschwächt waren. Covid-19 bedrohte die Bevölkerung und forderte unermesslich viel Lebenszeit, Lebenskraft, Lebensfreude, weil schon vor Ausbruch der ›Pandemie‹ im Hintergrund ein anderer Kampf begonnen hatte, der sich mit dem Geschehen zunehmend als der eigentliche erwies: Der Kampf um die – informelle – Macht der Politiker und um die Profite von Pharma- und ›Gesundheits‹-Industrie. Letzterer tobt in der materiellen, quantifizierbaren Dimension der Macht. Aber beide Dimensionen der Macht – informelle und materielle – wie sie sich in der globalisierten Welt unserer Zeit offenbaren und dynamisch wechselwirken, vereinigten sich im Corona-Regime zu einem in solcher Radikalität sonst nur aus Revolutionen, Weltkriegen und Genoziden bekannten Impuls politischen Handelns.

Ein Blick über den Euphoriehorizont

von Wolfgang Rauprich

Digitalisierung ist heutzutage als Schlagwort in aller Munde, wenn es darum geht, in offiziellen Verlautbarungen, in Sonntagsreden von Politikern oder im medialen Rauschen innovativ erscheinende, aber möglichst unkonkrete Zukunftsvisionen zu beschwören. Neuerdings befeuert von den negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf beinahe alle Bereiche des Lebens, gilt Digitalisierung als Allround-Lösung für Probleme nahezu jeder Art. Nun soll die Digitalisierung unter der Ampel-Regierung mit aller Macht vorangetrieben werden, weil Deutschland in einen Rückstand geraten sei. Eine deutsche Bundeskanzlerin brachte ihre Sorge darüber sogar mit einem Begriff aus dem ›Argot‹ der Ostberliner Kindergartenszene zum Ausdruck: ›… dass wir einfach irgendwann Bummelletzter sind‹.

von Ulrich Schödlbauer

Mit dem Schuldspruch über die ›Ungeimpften‹ betritt zum ersten Mal offen das mythische Opfer, volkstümlich ›Sündenbock‹ genannt, die parlamentarische Bühne der Bundesrepublik. Das ist ein historischer Einschnitt ersten Ranges. Siebzig Jahre lang galt die Abwehr solcher ›Tendenzen‹ als gemeinsame Pflicht aller Demokraten, plötzlich wird das Mitmachen Pflicht. Ein Ethos verkommt zum Mittel des Totschlags. Das mag zyklische Gründe besitzen und im allgemeinen Werteverfall begründet sein, aber es ist vor allem bequem.