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von Ulrich Schödlbauer

»Papa, was ist Krieg?«
»Krieg ist, wenn alte Männer jungen Männern befehlen, sich gegenseitig totzuschießen.«
»Warum machen das Männer?«
»Weil Männer wehrhaft sind.«
»Und was sagen die Frauen dazu?«
»Es geht auch mit Frauen.«
 
»Was ist der schlimmste Krieg?«
»Der Atomkrieg.«
»Und was ist der zweitschlimmste?«
»Der Bürgerkrieg.«
»Warum?«
»Weil er der grausamste ist.«

 
»Meine Lehrerin sagt, der schlimmste Krieg ist der Angriffskrieg.«
»Und was sagt sie noch?«
»Dass Angreifer böse sind.«
»Wie auf dem Schulhof?«
»Wie auf dem Schulhof.«
»Und was sagt sie noch?«
»Dass wir Russland bestrafen müssen.«
 
»Wer ist das: wir?«
»Alle, die sich angegriffen fühlen.«
»Und? Fühlst du dich auch angegriffen?«
»Nö.«
»Wie fühlst du dich dann?«
»Das ist nicht so einfach.«
»Erklär's mir.«
»Komisch.«
»Das verstehe ich nicht.«
»Ich auch nicht.«
 
»Was meinst du? Hat Russland die Nato angegriffen?«
»Nein.«
»Kann man sich auch angegriffen fühlen, wenn man nicht angegriffen wird?«
»Ich glaube schon.«
»Und warum?«
»Weil man sich bedroht fühlt.«
»Aber ist angegriffen werden und sich bedroht fühlen dasselbe?«
»Nein, das ist nicht dasselbe.«
 
»Welche Nato-Staaten fühlen sich von den Russen am meisten bedroht?«
»Lettland, Estland, Litauen...«
»Warum die drei?«
»Weil sie einmal zu Russland gehörten.«
»Sagen das die Russen oder die Balten?«
»Die Russen.«
»Und was sagen die Balten?«
»Dass Russland ihre Länder überfallen und sich einverleibt hat.«
»Und was sagen die Deutschen?«
»Dass sie das gut verstehen können. Und dass sie heute anders denken. Und dass Russland ein Aggressorstaat ist.«
»Was ist ein Aggressorstaat?«
»Ein Aggressorstaat ist ein Staat, vor dem man sich hüten muss.«
»Also ist jeder Staat ein Aggressorstaat?«
»Quatsch. Nur Aggressorstaaten sind Aggressorstaaten.«
»Woran erkennt man Aggressorstaaten?«
»Daran, dass sie eine Vergangenheit haben.«
»Sagt das deine Lehrerin?«
»Das sagt meine Lehrerin.«
»Also werden wir jetzt von Russland angegriffen oder nicht?«
»Eigentlich schon.«
»Warum eigentlich?«
»Sonst würde es ja nicht stimmen.«
»Was würde nicht stimmen?«
»Dass wir die Guten sind.«
»Wieso das denn?«
»Weil wir die zivilisierte Welt sind und die ganze zivilisierte Welt jetzt in Gefahr ist.«
»Und wer bedroht die zivilisierte Welt?«
»Die Russen natürlich. Deshalb müssen wir der Ukraine unsere Waffen geben.«
»Müssen wir uns nicht verteidigen?«
»Nein, das tun die Ukrainer für uns.«
»Glaubt das deine Lehrerin?«
»Keine Ahnung. Aber sie sagt es.«
 
»Was ist die zivilisierte Welt?«
»Ich weiß nicht.«
»Was weißt du nicht?«
»Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.«
»Dann rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist.«
»In der zivilisierten Welt gibt es keinen Krieg. Aber das stimmt nicht.«
»Was stimmt nicht?«
»Die zivilisierte Welt führt Krieg in der nicht-zivilisierten Welt.«
»Nennt sie diesen Krieg Krieg?«
»Nein.«
»Also darf die zivilisierte Welt Krieg führen?«
»Ja, aber niemand darf ihn so nennen.«
»Wer gehört nicht zur zivilisierten Welt?«
»Die Barbaren.«
»Wer sind die Barbaren?«
»Das darf ich nicht sagen.«
»Warum darfst du das nicht sagen?«
»Weil das rassistisch ist.«
»Also gibt es keine Barbaren?«
»Eigentlich nicht. Außer sie führen Krieg und die zivilisierte Welt fühlt sich bedroht.«
»Das hast du gut gesagt.«
»Aber ich schäme mich dabei.«
»Darauf bin ich stolz.«
 
»Gehört die Ukraine zur zivilisierten Welt?«
»Selbstverständlich.«
»Was unterscheidet Ukrainer von Russen?«
»Dass sie Ukrainer sind.«
»Sind die ukrainischen Russen keine Ukrainer?«
»Doch, schon. Aber die Ukraine ist nicht Russland.«
»Und Russland gehört nicht zur zivilisierten Welt?«
»Nein.«
»Warum nicht?«
»Weil es sonst in der Nato wäre.«
»Warum ist die Ukraine nicht in der Nato?«
»Weil die Deutschen es verhindert haben.«
»Warum? Weil die Deutschen Barbaren sind?«
»Das nicht. Aber sie müssen aufpassen.«
»Warum müssen sie aufpassen?«
»Weil sie eine Vergangenheit haben.«
»Und wenn sie nicht aufpassen?«
»Keine Ahnung. Dann sind eben sie die Barbaren.«
»Und dann dürfen sie Krieg führen?«
»Natürlich nicht. Dann sind sie vogelfrei.«
»Woher hast du das denn?«
»Das habe ich mir zusammengedacht.«
»Das wollen wir ganz schnell vergessen.«
 
»Wen haben die Russen angegriffen? Die Ukrainer oder uns?«
»Die Ukrainer natürlich. Aber eigentlich greifen sie uns an.«
»Sagt die Ukraine.«
»Sagt meine Lehrerin.«
»Und warum tun sie das?«
»Weil sie böse sind.«
»Sagt das deine Lehrerin?«
»Das sagt sie nicht, aber das denkt sie.«
 
»Etwas verstehe ich nicht.«
»Was verstehst du nicht?«
»Warum greifen Staaten andere Staaten an?«
»Fragst du das im Ernst?«
»Keine Ahnung. Sag's mir.«
»Weil sie sich bedroht fühlen. Oder weil sie sich bereichern wollen.«
»Fühlen die Russen sich bedroht?«
»Das wissen nur der Kreml und der liebe Gott.«
»Bereichern sich die Russen, wenn sie die Ukraine angreifen?«
»Sie werden reicher an Feinden.«
»Aber das ist dumm.«
»Die Waffenhändler und die Geschäftemacher werden reicher, die anderen werden ärmer.«
»Was sind Geschäftemacher?«
»Das sind Menschen, die sich die Not anderer Leute zunutze machen.«
»Was ist Not?«
»Not ist, wenn das Essen ausbleibt.«
»Ist das alles?«
»Nein. Aber es ist schlimm genug.«
»Warum?«
»Weil sich letztlich alles ums Essen dreht.«
 
»Papa, was ist Bürgerkrieg?«
»Bürgerkrieg ist, wenn ein Teil eines Landes gegen den anderen Krieg führt.«
»Ist das böse?«
»Das ist sehr böse.«
»Warum machen die das?«
»Weil sie Fanatiker sind oder weil sie dafür bezahlt werden.«
»Sind die Ukrainer Fanatiker oder werden sie dafür bezahlt?«
»Wie kommst du denn darauf?«
»Meine Lehrerin sagt, dass in der Ukraine schon lange Bürgerkrieg herrscht.«
»Sagt sie das? Sagt sie auch warum?«
»Nicht wirklich. Sie sagt, dass die Russen schuld sind.«
»Und woran sind die Russen schuld?«
»Sie sagt, dass die Russen in der Ukraine sind, weil sie nicht wollen, dass das Land frei wird.«
»Frei wovon?«
»Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich von den Russen.«
»Deine Lehrerin meint also, dass die Ukrainer für eine russenfreie Ukraine kämpfen?«
»Meine Lehrerin findet, dass Russen in der Ukraine nichts zu suchen haben.«
 
»Wer lebt eigentlich in der Ukraine?«
»Ukrainer … und natürlich Russen.«
»Und sie findet, dass die dort nichts zu suchen haben?«
»Nicht direkt. Also ich finde, sie kennt sich da nicht so richtig aus.«
»Warum das denn?«
»Weil sie meint, dass alles gut wird, wenn wir uns nicht mehr vor den Russen fürchten.«
»Fürchtest du dich vor den Russen?«
»Nein.«
 
»Fürchtet deine Lehrerin sich vor den Russen?«
»Ich glaube schon.«
»Wie kommst du denn darauf?«
»Sie behauptet, wir dürfen uns nicht vor der Atombombe fürchten.«
»Geht das?«
»Nein. Natürlich geht das nicht.«
»Warum?«
»Weil die Atombombe das Furchtbarste überhaupt ist.«
»Und du denkst, sie fürchtet sich vor der Atombombe?«
»Ja.«
»Warum denkst du das?«
»Sie sagt, das traut sich keiner.«
»Was traut sich keiner?«
»Eine Atombombe auf Berlin zu werfen.«
»Keiner?«
»Naja, außer den Russen.«
»Also fürchtet sich deine Lehrerin vor den Russen?«
»Sie sagt, die Russen vergewaltigen Frauen und bringen Kinder um.«
»Einfach so?«
»Einfach so.«
»Sagt sie das?«
»So ähnlich. Was heißt eigentlich vergewaltigen?«
»Das geht dich nichts an.«
»Und warum sagt sie es dann?«
»Das ist eine alte Geschichte.«
»Ist sie schlimm?«
»Ja.«
 
»Papa, sind wir jetzt mit Russland im Krieg?«
»Nein, das sind wir nicht.«
»Warum liefern wir dann Waffen an die Ukraine?«
»Weil die USA das so wollen.«
»Warum wollen die USA, dass wir Waffen in die Ukraine liefern?«
»Damit es nicht so auffällt, wieviel Waffen sie in die Ukraine liefern.«
»Warum liefern die USA Waffen in die Ukraine?«
»Weil sie dort Interessen haben.«
»Was sind Interessen?«
»Ich gebe dir Geld und du gibst mir mehr Geld zurück. Das sind Interessen.«
»Warum soll ich dir mehr Geld geben als du mir?«
»Weil mein Geld bei dir arbeitet. Oder weil ich stärker bin als du. Oder weil du willst, dass ich etwas tue, von dem du willst, dass es geschieht.«
»Was will denn die Ukraine von den USA?«
»Nichts.«
»Außer Waffen.«
»Außer Waffen, die sie nicht bezahlen kann.«
»Womit bezahlt sie sie dann?«
»Mit ihrer Nähe zu Russland.«
»Du meinst...?«
»Wenn die Ukraine den Russen gehört, dann können die Russen die Nato angreifen. Wenn die Ukraine zur Nato gehört, können die USA Russland angreifen.«
»Und wenn die Ukraine niemandem gehört?«
»Dann ist sie wertlos.«
»Ist das wichtig?«
»Für die Russen schon. Für die Amerikaner auch.«
 
»Aber wir sind keine Amerikaner.«
»Wir sind Europäer. Und Europa gehört entweder den Amerikanern oder den Russen oder es ist...«
»... wertlos. Papa, gehörst du lieber den Amerikanern oder den Russen?«
»Ich gehöre niemandem.«
»Das verstehe ich nicht.«
»Das versteht keiner.«
»Außer meiner Lehrerin.«
»Dann sind wir ja einer Meinung.«
 
»Papa, was ist eine Einflusszone?«
»Eine Einflusszone ist, wenn ich dort etwas zu sagen habe. Du bist meine Einflusszone.«
»Meine Lehrerin sagt, dass Russland sagt, dass die Ukraine seine Einflusszone ist, und dass Einflusszonen böse sind.«
»Haben die Amerikaner keine Einflusszonen?«
»Nein. Die Amerikaner wachen darüber, dass es keine Einflusszonen gibt.«
»Haben die Amerikaner bei uns nichts zu sagen?«
»Ja, aber das ist etwas anderes.«
»Hat Deutschland keine Einflusszone?«
»Nein. Deutschland hat die EU. Da kann jeder machen, was er will.«
»Da wäre es ja besser, die Ukraine wäre in der EU.«
»Irgendwie schon. Aber irgendwie auch wieder nicht.«
 
»Warum ist die Ukraine nicht in der EU?«
»Meine Lehrerin sagt, die Ukraine muss noch viel lernen, bevor sie in die EU darf.«
»Was muss sie denn lernen?«
»Alles. Recht, Wirtschaft, Ökologie.«
»Und was verteidigt die Ukraine?«
»Das habe ich doch schon gesagt: die Freiheit.«
»Welche Freiheit?«
»Unsere Freiheit.«
»Wie kann sie das?«
»Sie kann das, wenn wir ihr die Waffen liefern.«
»Und wenn wir ihr keine Waffen liefern?«
»Dann verteidigt sie ihre eigene Freiheit.«
»Kann sie das?«
»Eigentlich nicht.«
»Was verteidigt sie dann?«
»Ihre Politik.«
»Welche Politik?«
»Die Politik des Bürgerkriegs.«
»Sagt das deine Lehrerin?«
»Nicht so ganz. Aber eigentlich schon.«
 
»Papa, führen die USA auch Krieg?«
»Ja sicher. Weißt du das nicht?«
»Sind sie dann auch böse?«
»Natürlich nicht.«
»Und warum nicht?«
»Weil sie die Freiheit verteidigen.«
»Welche Freiheit denn?«
»Die Freiheit der Meere und des Welthandels. Und die Freiheit der anderen.«
»Wie verteidigt man die Freiheit der anderen?«
»Man verteidigt sie, indem man sich in die Angelegenheiten der anderen einmischt.«
»Und wenn sie das nicht wollen?«
»Das hat nichts zu sagen.«
»Warum hat das nichts zu sagen?«
»Weil sich immer jemand findet, der die Einmischung gut findet.«
»Auch in Afghanistan?«
»Auch in Afghanistan.«
»Warum sind die Amerikaner dann abgezogen?«
»Weil Krieg teuer ist.«
»Und wer bezahlt den Krieg?«
»Alle, die den Krieg irgendwann nicht mehr gut finden.«
»Ist das dann das Volk?«
»Nein, mein Kind.«
»Warum nicht?«
»Weil das Nationalismus wäre.«
»Ist Nationalismus böse?«
»Bei den anderen schon.«
»Das sagt meine Lehrerin auch.«
»Magst du deine Lehrerin?«
»Eigentlich schon. Aber eigentlich…«
»… nicht so ganz. Schon verstanden.«
 
»Papa, was ist eine historische Parallele?«
»Wenn etwas geschieht und ein paar Leute behaupten, dasselbe sei bereits einmal geschehen.«
»Geht das überhaupt?«
»Ja. Man nennt das ein Déjà-vu.«
»Was ist ein Déjà-vu?«
»Einem kommt es so vor, als habe er etwas schon früher gesehen.«
»Und stimmt das?«
»Nein.«
»Warum behaupten die Leute es dann?«
»Weil es bequem ist.«
»Was ist daran bequem?«
»Man kann dann so tun, als wisse man schon, wie es weitergeht.«
»Und wie geht es wirklich weiter?«
»Das weiß keiner. Aber wenn jemand genau hinsieht und sich seine Gedanken macht, dann kann er sich oft vorstellen, wie es weitergehen könnte.«
»Was glaubst du, wie es weitergeht?«
»Zwei wollen etwas Unterschiedliches erreichen und am Ende sieht man, was dabei herauskommt.«
 
»Was ist eigentlich Propaganda?«
»Etwas geschieht und ein paar Leute behaupten, es geschieht etwas anderes.«
»Was sind das für Leute?«
»Leute, die nicht selber denken können.«
»Wer denkt dann für sie?«
»Leute, die wissen, was wirklich geschieht, und nicht wollen, dass es herauskommt.«
»Aber kommt es denn heraus?«
»Immer. Fast immer. Manchmal schon. Irgendwann vielleicht.«
»Weißt du, was diesmal herauskommt?«
»Man kann es sich denken. Aber eigentlich hofft man nur, dass etwas anderes herauskommt.«
 
»Papa, woran erkennt jemand, dass seine Freiheit bedroht ist?«
»Daran, dass er bloß eine Wahl hat.«
»Welche Wahl?«
»Die Wahl, sich zu unterwerfen oder zu kämpfen.«
»Und wenn er sich unterwirft?«
»Dann ist die Freiheit weg.«
»Und wenn er sich nicht unterwirft?«
»Dann hat er gewählt.«
»Was hat er gewählt?«
»Zu siegen oder unterzugehen.«
»Und wenn die anderen stärker sind? Muss man dann untergehen?«
»Wenn man nicht rechtzeitig aufhört, dann kann das passieren.«
»Wie hört man rechtzeitig auf?«
»Indem man sich mit dem Gegner einigt.«
»Ist man dann noch frei?«
»Nicht wirklich.«
»Ist das schlimm?«
Das kann sehr schlimm sein, ja. Aber kein Staat kann tun und lassen, was er will.«
»Also sind Staaten nicht frei?«
»Staaten sind dann frei, wenn ihre Bürger frei sind.«
»Und wann ist das der Fall?«
»Wenn sie frei ihre Meinung sagen und ihr Leben einrichten können, wie sie es für gut befinden.«
»Ist das alles?«
»Nicht ganz.«
»Was denn noch?«
»Sie sind frei, wenn ihre Meinungen Gehör finden und sie ihre Regierungen selbst wählen können.«
»Das sagt meine Lehrerin auch.«
»Dann sind wir ja einer Meinung.«
 
»Meine Lehrerin sagt...«
»Was sagt sie denn?«
»Manchmal müssen Opfer gebracht werden.«
»Und was noch?«
»Dass nicht jeder tun kann, was er will. Und dass die Gemeinschaft wichtiger ist als der Einzelne.«
»Sagt sie das?«
»Ja.«
»Pfui. Und was noch?«
»Dass sich Feigheit gern hinter Argumenten versteckt.«
»Hat sie auch welche genannt?«
»Ja schon.«
»Welche denn?«
»Dass es besser ist zu leben als getötet zu werden. Und dass Krieg das Schlimmste ist. Und dass jeder für sein Schicksal verantwortlich ist. Dass wir keine Verantwortung tragen. Dass ein Land aufpassen muss, wenn es nicht selbst zum Aggressor werden will. Und dass der Staat seine Bürger schützen muss.«
»Deine Lehrerin sagt, dass es feige ist, so zu denken?«
»Ja. Und dass es ziemlich übel ist.«
»Und was ist ihrer Meinung nach das größte Übel?«
»Dass die Russen kommen.«
»Hat sie das gesagt?«
»Das weiß doch jeder.«
»Und was muss man dagegen tun?«
»Man muss sie besiegen.«
»Wie Napoleon? Oder wie Hitler?«
»Das weiß sie nicht so genau. Sie wird dann gleich sehr wütend.«
»Warum wird sie wütend?«
»Weil diesmal alles anders ist. Und weil wir die Guten sind.«
»Woher weiß sie das?«
»Weil die Nato so stark ist.«
»Wie stark ist denn die Nato?«
»Die Nato ist das stärkste Militärbündnis der Welt.«
»Und die Russen sollen sich nicht vor ihr fürchten?«
»Doch.«
»Und wenn die Russen sich nicht vor ihr fürchten?«
»Das wäre ein verdammt großer Fehler.«
»Wieso das denn?«
»Weil die Nato dann tun und lassen kann, was sie will.«
»Das sagt eure Lehrerin?«
»Nicht wirklich.«
»Was sagt sie denn wirklich?«
»Dass wir das nächste Mal besser aufpassen sollen.«
»Da hat sie verdammt recht.«

 

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.