Beschneidung Jesu

von Sarah Mandelbaum

Welcher Recht hat, weiß ich nicht -
Doch es will mich schier bedünken,
Daß der Rabbi und der Mönch,
Daß sie alle beide stinken.

(Heinrich Heine)

Mich interessiert nicht, was unbeschnittene Deutsche und beschnittene Funktionäre über die männliche Vorhaut räsonieren. Bislang habe ich umgeblättert, abgeschaltet und Gespräche abgewehrt. Ich bin nicht religiös und ich bin – unter anderem – Jüdin, man kann sagen: Jüdin qua deutscher Geschichte. Und ja, ich habe meinen Sohn beschneiden lassen.

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Doro Breger: Mundwerk

von Ulrich Siebgeber

Die Krise der EU steckt in der Krise: ein Schelm, wer sie da herausholt.

*

Ein Glaube stirbt nicht, er diffundiert. Wo er sich sammelt, geschehen seltsame Dinge.

*

Die Freude oder, sagen wir, Erleichterung darüber, nach langer Wüstenwanderung einen Präsidenten zu haben, der der Sprache mächtig ist, so dass es sich auch einmal lohnt, den semantischen Feinheiten einer Rede nachzuspüren.

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von Josef Ludin

Es waren offenbar deutsche Denker des 18. und 19. Jahrhunderts, die Kultur und Zivilisation voneinander getrennt betrachten wollten. In der englischen und französischen Tradition war diese Unterscheidung ungewöhnlicher, und man bevorzugte den Begriff der Zivilisation, meinte damit aber alles, was zu kulturellen Phänomenen gehörte. Zuletzt war Freud einer, der sich in seiner berühmten Schrift, »Das Unbehagen in der Kultur«, von der Unterscheidung lossagen wollte und forderte, man solle die Begriffe synonym benutzen. Tatsache war, dass er von einem anthropologisch geprägten Kulturbegriff ausging, von der Frage nach der Menschwerdung des Menschen in der Abgrenzung vom Tierreich, und davon dass die menschliche Kultur eben Triebverzicht benötige.

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