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Homerisches Gelächter

von Boris Blaha

Ulrich Schödlbauer hat einen Roman, einen politischen Roman über T. geschrieben. Hören Sie mir überhaupt zu? Was? Politisch? Über T? Diesen durchgeknallten Irren, der das Weiße Haus gekapert hat und seither durch die moderne, bisher so gut aufgeräumte Welt irrlichtert? Das liest doch keiner, wo doch jeder schon weiß, was für ein unmöglich aufgeblasener Volltrottel dieser T. ist.

Eigentlich ist es ja auch gar kein Buch über T., sondern mehr über uns aus der Perspektive von T. Der Plot: Zwei alte lebenserfahrene Männer, ideengeschichtlich versiert, auf dem Weg nach unten unterhalten sich auf entsprechend hohem Niveau über T. 's Weg nach oben und seine unvermeidlichen Begleiterscheinungen. Der eine, ein gereifter, vietnamesischer Kommunist, der andere ein von ›Lolita‹ verführter Menschheitsfreund mit zu viel Geld. Schon der Plot verspricht intellektuelles Vergnügen.

Ein herrliches homerisches Gelächter durchzieht das Buch von der ersten bis zur letzten Seite, weil es ein so wunderbares Buch über den westlichen Ikarus ist, der der Sonne zu nah kam, abstürzte, als neuer Phönix wieder aufstieg und – dumm und erfahrungsresistent, wie er ist – immer wieder verbrannte. Zur Einstimmung möchte ich einen Punkt etwas näher beleuchten: den Zeitpunkt. Wie T. und sein angelsächsischer Gefährte B. erscheint auch dieser ›politische‹ Roman zu einem bestimmten, einem machiavellischen Moment.

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von Markus C. Kerber

Als Rolf Hochhuth sein Stück Der Stellvertreter mit Hilfe von Karl Jaspers und Hannah Arendt auf die Bühne brachte, statuierte er das erste Beispiel seiner Arbeitsmethode: Die öffentliche Provokation. Er rührte an einem Tabu und problematisierte die Rolle des Pacelli-Papstes Pius XII. während der Nazizeit.

Dieser Methode ist Hochhuth Zeit seines Lebens treu geblieben. Sie bekam nicht nur Ex-Marine-Richter Filbinger zu spüren, sondern auch die Treuhandanstalt, die mit dem Werk McKinsey kommt, jene Würdigung erfuhr, die ihre zwielichtigen Geschäfte verdienten. Dass sich Hochhuth zusammen mit anderen westdeutschen Autoren nicht scheute, für den Verlag ›Volk und Welt‹ eine Privatisierung zugunsten der ostdeutschen Verlagsleitung auszuhandeln, die wirtschaftlich mehr als üppig war, gehört zur Wahrheit dieses geschäftstüchtigen Dramatikers, der in seiner besten Zeit mit den Tantiemen aus seinen Stücken ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftete.

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Von der Kulturnation der Deutschen war in der Vergangenheit viel die Rede. Sie galt als Klammer zwischen den beiden Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um durch die ›Einheit‹ (die nach dem Willen ihrer Verächter keine ›Wiedervereinigung‹ sein durfte) 1990, nun ja, nicht ersetzt, doch zumindest in ihrer staatlichen Getrenntheit kassiert zu werden. Seither, vor allem während der letzten Merkel-Jahre, schwang das Pendel des nationalen Selbstverständnisses in die andere Richtung. Das ging bis hin zu der denkwürdigen Aussage einer deutschen Integrationsbeauftragten, eine deutsche Kultur sei jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar. Die Edition Europolis hat verdienstvollerweise einen ursprünglich im Jahrbuch für Kulturpolitik 2015/16: Transformatorische Kulturpolitik erschienenen Essay des Schriftstellers Friedrich Dieckmann als Separatdruck in drei Sprachen (deutsch, französisch, polnisch) herausgebracht, der Herkunft und aktuellen Gehalt des Begriffs unter verschiedenen Gesichtspunkten unter die Lupe nimmt.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.