By JanManu (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

von Ulrich Schödlbauer

1929 schrieb Walter Benjamin, der zur Pythia des Gedankenbetriebs in den Siebziger Jahren aufstieg, den wenig belastbaren Satz: »Links hatte noch alles sich zu enträtseln«. Er wurde, vermutlich des Rätselcharakters wegen, vom Buchtitel rasch zum geflügelten Motto. Links, hieß das, standen die Deutungswege noch offen, anders als auf der politischen Rechten, die, zu Recht oder Unrecht, niemals zögerte, die jahrtausendealten Herkunftslinien des Christentums und des griechisch-römischen Denkens auf sich zu beziehen und somit zu wissen. So betrachtet, entsprach der Satz einer Welt vor dem Faschismus und seinem deutschen Ableger, dem Nationalsozialismus, die offenkundig den Bogen Europas überspannten: Als ihre sinistren Reiche zerbarsten, zerbrach, ein wenig zeitversetzt, auch das Gehäuse des ›abendländisch‹ genannten Geistes und es begann, erst zögernd und voller Hoffnung, im Westen des Erdteils die Reihe der Versuche, ›im europäischen Geist‹ zu einem neuen, ökonomisch motivierten Miteinander und schließlich zu einem politischen Körper zu gelangen, ohne dem Geist im Detail weiter nachzufragen.

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von Stephan Hilsberg

(Hilsbergs Text ist die Erwiderung auf einen Beitrag von Klaus-Rüdiger Mai mit dem Titel »Der Tag, an dem ich Ostdeutscher wurde. Sind ehemalige DDR-Bürger Migranten?«, der in der NZZ erschienen ist (hier – Red. –)

1. Ich denke immer, dass man sich die Schuhe, die einem hingehalten werden, nicht anziehen muss. Wenn Dich also andere zu Ostdeutschen machen, bist Du das noch lange nicht. Ich lass mir doch von anderen nicht sagen, was ich bin. Das entscheide ich schon selbst.

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… neulich im Einstein

bemerkte ich wieder einmal, wie erhellend die alte hermeneutische Praxis, Dinge, die sich noch nie begegnet, miteinander konfrontiert und so begriffen zu haben, fürs Alltagsverstehen sein kann. Zwei aktuelle Fälle von (Putativ-)Notwehr – die Zerstörung eines Kunstwerks und die eines Menschen …– lassen sich aus ein und demselben Motiv heraus erklären: der Angst, dem Vorwurf, den Anfängen doch nicht rechtzeitig gewehrt zu haben (neudeutsch: Initialophobie). – Das bewegt den Akademischen Senat einer Berliner Hochschule, die spanischen Verse (Gomringers, von 1950) avenidas y flores y mujeres y un admirador vom Giebel ihrer Hochschule abzukratzen.

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