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139 plus minus eins

von Christoph Jünke

 Es gibt nur wenige Fragen, die die menschliche Vorstellungskraft in solche Höhen und Tiefen zu treiben vermögen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Und doch stellt sie sich als ewige, als zutiefst menschliche Frage realiter nicht jeden Tag. Im Alltagstrott nicht sehr beliebt, drängt sie sich in den Zeiten individueller wie kollektiver Krisen, in Zeiten des individuellen wie kollektiven Bruchs und Überganges geradezu auf. Ob individuell oder kollektiv, ob in der Pubertät, der Midlife-Krise, vor dem Lebensabschluss oder in Zeiten passiver wie aktiver revolutionärer Gesellschaftstransformationen: »Die große Sinnfrage taucht meist in Zeiten auf, in denen bislang als gesichert geltende Rollen, Überzeugungen und Konventionen in eine Krise geraten.«

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...neulich im Einsein

empfand ich eine deutlich andere, mir schien, irgendwie erregte Caféhaus-Atmosphäre. Es raschelten mehr Zeitungsseiten, an den Tischen wurde lauter disputiert und beim (notgedrungenen) Hinhören verstand man manche Worte. Die unangenehmsten, lange nicht gehörten, kannte man nur noch aus der Literatur, z.B. der über Wiener Caféhäuser (als im ›Central‹ der Bronstein sel. beim Schach am Stundenglas der Romanoffs drehte …). Vom überlebten Kapital [oder] Imperialismus hörte man, und seiner Verkehrsform, dem Markt, dessen Clash, ja dessen Ende evident sei. Allerdings war die Metapher vorherrschend: die große Blase sei geplatzt, vom Casino-Kapitalismus sprach man [sollte so ›Kredit‹ zusammenfassend begriffen sein?], vom Theologischen des Geldes – man erinnert sich: wir bewunderten die, die tatsächlich bis zum Ende des ersten Kapitels des bekannten Marxschen Dreibänders gekommen waren und vom ›Fetischcharakter der Ware‹ zu rätseln verstanden). Kurz: der Kapitalismus des Nordens stürbe (wieder einmal, wie schon 1923, 1929, 1945, 1972), das scheint auch gegenwärtig die felsenfeste Second-hand-Überzeugung der Diskursbetreiber. Allerdings wäre man damit längst noch nicht wieder bei Marx, allenfalls zurück bei epigonalen Zusammenbruchs-Theoretikern wie Rosa Luxemburg oder Nikolai Bucharin.

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...neulich im Einstein

las ich von einem neuerlich erhobenen vornehmen Ton in der Phalanx der DDR-Versteher; diesmal wackelten nicht die Sbirren aus dem Mal d’Archive (Derrida) mit ihren Faszikeln, sondern ein veritabler Historiker brachte eine wirkliche Antiquität mit ins Tribunal – die Satrapie! Mein Gott, was für ein Wort!

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.