Aufnahme: ©rs

Das Einstein in der Kurfürstenstraße – mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße – ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne des Berliner Philosophen Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt – in loser Folge – die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache. 

 

...neulich im Einstein

das politische Polospiel schien ohne Sieger zu Ende zu gehen (›Repräsentanten‹ reiten den Gaul ›Souverän‹ zu Schanden), als ein alter Schweizer Freund an den Tisch kam. Er fragte nach den beiden Prinzipien, nach denen (a) im deutschen Parlament bestimmt wird, wer an der Regierungsbildung beteiligt werden darf, und wonach (b), bestimmt wird, wer diskussionslos von vorneherein von diesen Prozeduren auszuschließen sei. Denn offensichtlich spielen empirische Wahlergebnisse dabei keine Rolle.

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… neulich im Einstein

wurde ich von einer gefakten Nachricht in sozusagen ›eigener Sache‹ überrascht. – Ich war als Gast zu einem Vortrag im »Institut f. Staatspolitik« (Schnellroda) eingeladen. Ein Reporter von MDR S-A protokollierte nun dabei etwas, was er nicht gesehen haben kann: ich sei – offenbar von der ›Theorie‹ zur ›Praxis‹ übergehend – bei einer Konfrontation zwischen ›Rechtsextremen‹ und ›Anwohnern‹ (von ihm) gesehen worden … Aber als das begann – nachmittags – war ich längst nicht mehr am Ort des Geschehens.

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… neulich im Einstein

fiel wieder einmal auf, wie alltäglich – und schon sozial akzeptiert? – es heute ist, auf Universitäten veralbert zu werden; – es scheint, als ob von den Lektionen, die Mephisto dem Scholaren gibt, nur die eine bleibt: »Schon gut! Nur muß man sich nicht allzu ängstlich quälen; / Denn eben wo Begriffe fehlen, / Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.« (Vers1994-1996)

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.