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Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens


von Ulrich Siebgeber

In den neuerdings sittsam gewordenen deutschen Medien konnte man gegen Ende des abgelaufenen Jahres lesen, die deutsche Kanzlerin habe in der angelsächsisch sprechenden Welt einen Sturm der Entrüstung entfacht. Warum? Weil sie in öffentlicher Rede das Wort ›shitstorm‹ verwendete. Ach du liebes bisschen. Haben die keine anderen Probleme? Andererseits, es ist ihre Sprache, sie besitzen also eine Art erstes Zugriffsrecht, sobald es um Verfehlungen auf diesem kniffligen Terrain geht. Das gesprochene, sich alsbald ins geschriebene verwandelnde Wort hat eine magische Kraft.

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von Ulrich Siebgeber

Eine lange, zeitweise fast unerträgliche Spannung löst sich in Gelächter – so geschehen in diesen Tagen, in denen der Fall Relotius den bundesdeutschen Gesinnungsjournalismus … nein, nicht etwa bloßstellt – das besorgt letzterer jeden Tag selbst –, sondern (mehr oder weniger buchstäblich) pulverisiert, er weiß es nur noch nicht, wird es auch, wie man ihn kennt, niemals wissen wollen. Denn bleiben wird er, so wie die Pülverchen, die sich ein Herzkranker aus der Apotheke holt, weil er den härteren Mitteln misstraut, die der Arzt ihm verschreiben würde, würde er ihn je konsultieren. Kein Arzt, niemals!

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von Ulrich Siebgeber

Auch wenn alle Spaß gehabt haben sollten: Es war, von außen betrachtet, kein Zuckerschlecken. Die Medien hatten die Merz-Frage gestellt und die Einhorn-Partei entschied sich für Dezember. Im neuen Jahr mag das wieder anders aussehen. Aber dem alten kam es zupass. Wie hätte ich, als Ein-Mann-Partei, mich entschieden? Das ist nicht so einfach. Zum Glück bin ich in dieser Sache nicht Partei und darf daher raten. Als CDU-Delegierter hätte ich mir gesagt: du weißt zu wenig über diesen Merz. Der Mann will über kurz oder lang Kanzler werden, das ist klar. Aber was will er?

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.