Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens


Marabou stork (Leptoptilos crumenifer) head

Gehörte ich zu dem einen Prozent – dem berühmten einen Prozent der Menschheit – und pochte mein Herz für den Fortschritt (so etwas soll vorkommen, es kommt vor, da in diesen Regionen die Angst nistet, von den Fortschritten der anderen überholt und abgehängt zu werden), so fühlte ich zweifellos links: nicht in jenem altbackenen Sinn, in dem Gewerkschaften den Ton angeben und Menschen die Tricks der Mächtigen fürchten. Wie dann? Nun, so einfach ist das nicht… Ich würde all diejenigen fördern, die sich benachteiligt fühlen

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Familienbild – die vier Kinder des Kurfürsten Maximilian von Pfalz-Bayern. Biermann, Georg (1914): Silhouettes

Wir leben im Grokoko. Wussten Sie das? GroKo ist groß, aber von gestern. GroKo kann nicht gehen, doch zum Bleiben schwindet die Kraft. Die Lösung heißt: Grokoko. Im Grokoko lösen sich die strengen Parteilinien des GroKo auf und werden spielerisch. Die Losung heißt: Unbeschwert. Stirb, aber beschwere dich nicht. Vor allem nicht über das, was danach kommt. Vielleicht kommt nichts danach, dann wäre ohnehin jede Beschwerde umsonst. Umsonst ist auch das Regieren, man betreibt es mit Schattenkabinetten, die nur per Wandzeitung existieren. An welcher Wand? Gegenfrage: an welcher nicht? In der Republik ist jede Wand gut genug, um eine Regierung anzuzeigen, natürlich als Projektion. Im Grokoko ist das Volk nicht länger gefragt. Das war im GroKo nicht anders, aber man behandelte es pompös, als sei einem damit ernst. Jetzt geht es ans Schäfchenbekränzen und alle Welt guckt dumm aus der Wolle.

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By Baden de, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60395966

Auf Faschingsdienstag folgt Aschermittwoch, auf die Inflation mehr oder weniger unqualifizierter Büttenreden die Fastenpredigt, zu der in Bayern der politische Aschermittwoch gehört: Wer das eine aus tiefstem Herzen bejaht, weil ihm ohnehin das Leben eine Art Karneval dünkt, der gelegentlich – durch was wohl? – durch Arbeit unterbrochen wird, dem schlägt das andere schwer aufs Gemüt oder auf den Senkel. Dabei ist die Gaudi, die beides erregt, durchaus miteinander vergleichbar. Ablesen lässt sich das, nicht erst seit heute, an der Zahl der Strafanzeigen, die das eine wie das andere nach sich zieht. Auf die Anzeigen wegen sexueller Belästigung, entferntes Nachspiel zu den Vaterschaftsklagen früherer Jahrhunderte, folgen rituell die Anzeigen wegen Volksverhetzung und ähnlicher hochkrimineller Delikte, hinter denen noch immer die gute alte Majestätsbeleidigung spukt.

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