
von Gunter Weißgerber
Zur Bundestagswahl – Teil 3
Heute schreibe ich über die älteste demokratische Partei Deutschlands, über die SPD. Gegründet 1863 von Ferdinand Lassalle, stand sie in ihren erfolgreichsten Zeiten für den sozialen Teilhabe- und Aufstiegsanspruch der Arbeiter, Handwerker, Techniker, Ingenieure zuerst im Kaiserreich, später in der ›Weimarer Republik‹, in der alten Bundesrepublik bis 1990 und seitdem in der vereinigten Bundesrepublik.
Die erfolgreiche Geschichte der Bundesrepublik ist ohne die SPD und ihre Kanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder nicht denkbar. Was Gerhard Schröder seit seiner Abwahl 2005 macht, gefällt mir keineswegs, schmälert seine erfolgreiche Politik als Bundeskanzler aber nicht. Deutschland galt vor zwanzig Jahren als kranker Mann Europas, Schröders Agenda 2010 mit ihrem sozialdemokratischen Prinzip des ›Förderns und Forderns‹ machte die Bundesrepublik zur Wirtschaftslokomotive der Europäischen Union. Und jetzt ist es ausgerechnet die nach-Schröder-SPD, die Deutschland erneut zum kranken Mann degenerieren lässt.
von Immo Sennewald
Als die Wirtschaft des ›real existierenden Sozialismus‹ in den 70er Jahren für jeden erkennbar asthmatisch wurde, entschieden die Herren im Politbüro, den Klassenkampf ganz und gar auf die ideologische Ebene zu verschieben. Das ›Überholen ohne einzuholen‹ von Walter Ulbricht war ökonomisch und wissenschaftlich-technisch zur Lachnummer geworden, aber die Deutungshoheit über den ›Antifaschismus‹ und den dafür notwendigen Schutzwall war zu verteidigen, und alle Fragen, auf die der Kapitalismus keine Antwort hatte, ließen sich trefflich instrumentalisieren: ›Ausbeutung des Menschen durch den Menschen‹, ›Entfremdung‹, ›Warenfetischismus‹, ›Kolonialismus«...
Wenn ein kluger Mann wie Klaus-Rüdiger Mai sich mit der Zukunft seines Landes beschäftigt, dann ist das Grund genug, genauer hinzuhören, als das im Medienbetrieb üblicherweise geschieht. Mai ist nicht der erste, der gegen das Schubladendenken der politischen Kräfte und ihrer medialen Knechte anschreibt, die immer wieder die Herren geben. Das Links-Rechts-Schema, könnte man dazu anmerken, veraltet nicht, es füllt sich nur mit neuen Inhalten. Das ist zwar richtig, impliziert aber auch, dass links wie rechts immer wieder Übernahmekämpfe zwischen Lagern stattfinden, die einander im Ernstfall spinnefeind sind.
Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Front: ©2024 Lucius Garganelli, Serie G