von Malca Goldstein-Wolf
Ich bin stolz auf die Dinge, die ich aus eigener Kraft erreicht habe. Ich bin nicht stolz darauf, Deutsche zu sein.
Die deutsche Geschichte weist ein düsteres Kapitel unfassbarer Unmenschlichkeit auf, das darf aber nicht bedeuten, dass man dieses Land nicht lieben darf, dass man die deutsche Kultur ablehnen muss und sich dem Land gegenüber, in dem man lebt, feindlich verhalten soll. Das Unrecht der Vergangenheit nicht zu vergessen, ist wichtig. Dennoch gibt es auch viele Dinge, die dieses Land liebenswert machen und für die es sich zu kämpfen lohnt.
von Heinz Theisen
Mit der Niederlage in Afghanistan sind der kulturelle Universalismus und der politische Globalismus des Westens ans Ende gekommen. Statt utopischer Visionen würde eine neue Strategie der Abgrenzung und Koexistenz gebraucht, mit der es dem Westen vor allem um seinen eigenen Schutz gehen müsste.
Der auch mit dem Universalismus westlicher Werte begründete Interventionismus ist in Afghanistan an seinen Illusionen über dem Islam gescheitert. Nach zwanzig Jahren vergeblichen Einsatzes steht der Westen aufgrund seiner Substanzverluste und seiner schmählichen Kapitulation sicherheitspolitisch schlechter da als im Jahr 2001. Der entfesselte Islam hat einen historischen Sieg über den Westen errungen. Er wird uns in Zukunft noch mehr gefährden als bisher.
von Herbert Ammon
Was sich in diesen Tagen in Kabul abspielt, und was mutmaßlich noch über Jahre das Land am Hindukusch prägen wird, war vorauszusehen. Wir erleben die Wiederholung eines klassischen Lehrbeispiels der Geschichte, und zwar die Niederlage des Westens oder der aufgeklärten Moderne gegen die Kräfte der Tradition oder des ›finsteren Mittelalters‹. Der schmähliche Abzug der Amerikaner, der Deutschen und anderer ›Westler‹ erscheint auf den ersten Blick als Reprise der chaotischen Flucht aus Saigon anno 1975. Es handelt sich indes um nicht identische Vorgänge.
