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Peter Brandt

(Vortrag bei der Eröffnung des Regionalzentrums Berlin der FernUniversität am 18. September 2009)

Den meisten der Anwesenden wird in Erinnerung sein, wie heftig und teilweise erbittert 1991 die Debatte um die künftige Hauptstadt des neu vereinigten Deutschland geführt wurde: zuerst in der Publizistik, dann im Parlament. Streng genommen ging es gar nicht um die Frage der Hauptstadt; als solche war Berlin nämlich schon im Einigungsvertrag benannt worden. Hauptstadt und Regierungssitz sind in der Regel, aber nicht zwingend identisch. So ist Den Haag seit rund 200 Jahren Sitz der zentralen politischen Institutionen der Niederlande, wird aber nicht als Hauptstadt angesehen. Diesen Titel hat man der alten Wirtschafts- und Kulturmetropole Amsterdam vorbehalten, die in politischer Hinsicht ohne jede konkrete Funktion ist.

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von Peter Brandt

 Die Zeitungen der Sozialdemokratie feierten Mitte November 1918 die Vorgänge der zurückliegenden Tage mit Worten wie, die Deutschen seien jetzt »das freieste Volk der Welt«. »Ein Volk, durch Jahrhunderte hindurch von den harten Händen des Militarismus und der Bürokratie niedergehalten, zu Knechtseligkeit und dumpfem Gehorsam erzogen, steht auf und handelt.« »Wir haben endlich die revolutionäre Tradition, um die wir andere Völker bisher beneidet haben.« Und auch der bekannte liberale Journalist Theodor Wolff sprach in Berlin von »der größten aller Revolutionen«2.

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von Peter Brandt

›Globalisierung‹ ist inzwischen ein Allerweltswort, ein schillerndes außerdem. Seine Popularität weist aber darauf hin, dass mit diesem Terminus versucht wird, den weit verbreiteten Eindruck sprachlich einzufangen, die Menschheit sei in ein ganz neues Zeitalter der Herausbildung einer planetarischen Gesellschaft, einer ›Weltgesellschaft‹, eingetreten. Die Floskel, es gelte die ›Globalisierung zu gestalten‹, legt nahe, es handele sich um einen quasi selbstläufigen, gesellschaftspolitisch grundsätzlich neutralen und in mancher Hinsicht sogar progressiven Prozess, der eben nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden müsse. Ich werde am Ende dieses Essays darauf zurückkommen.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.