Es ist noch nicht lange her, dass arte in die Kritik geriet, weil es seine Doku über den arabischen Antisemitismus in Frankreich nicht senden wollte.

Am 24.4.18 lief nun bei arte die zweiteilige historische Dokumentation Mein gelobtes Land über den israelisch-arabischen Konflikt. Auch hier war stellenweise die alte Voreingenommenheit des Senders gegenüber Israel spürbar, vor allem im zweiten Teil.

Das fing schon gleich bei der Auswahl der israelischen Interview-Partner an: Mit ganz wenigen Ausnahmen waren das Verfechter des »revisionistischen« Geschichtsbildes, die die Geschichte so weit wie irgend möglich umschreiben wollen. Nehmen wir nur Prof. Shlomo Sand: Der überraschte vor einigen Jahren mit dem Buch Die Erfindung des jüdischen Volkes, in dem er mit biologistischen Argumenten die Existenz eines jüdischen Volkes bestritt, stattdessen nur eine Summe von verstreuten Stämmen sah. Einen von diesen, für Sand ein ganz wesentlicher, verortete er weit weg am Kaspischen Meer. Sein Pech war damals allerdings, dass die Gen-Forschung ihn bald in Gänze widerlegen konnte.

Die Revisionisten hatten die israelischen Aktionen und Intentionen im Rahmen der Staatsgründung – vor allem Flucht und Vertreibung der Araber - kritisch untersucht. Ihr ursprünglicher Anführer Benny Morris distanzierte sich später übrigens von seinen Thesen. Für ihn hätte Israel aus Überlebensgründen nicht anders handeln können. Doch solche Gegenstimmen finden sich nicht im Film.

Da wird dann auch nicht erwähnt, dass die israelischen Gräueltaten nicht der Haganah, sondern dem Irgun zuzuschreiben waren, auch nicht, dass Ben Gurion eine Waffenlieferung für den Irgun verhinderte, erst recht nicht, dass er schon bald eine Rückkehr von ca. 100 000 Flüchtlingen angeboten hatte. Doch dafür wäre ein Friedensschluss nötig gewesen, den aber die Araber mit ihrer Politik des »Alles oder Nichts« ablehnten.

So wird auch nicht abgehandelt, dass und warum die Palästinenser 1949 darauf verzichteten, einen eigenen Staat zu gründen.

Dass zwischen 1949 und 1967 die Araber keineswegs friedlich blieben, sondern Scharfschützen willkürlich über die Stadtmauer Jerusalems hinweg Zivilisten erschossen, scheint den Filmemachern entgangen zu sein.

Im zweiten Teil des Films wird dann kaum ein Bemühen um ausgewogene Darstellung mehr sichtbar. In seiner Einseitigkeit wirkt er fast agitatorisch.

Israel habe danach den Sechs-Tage-Krieg 1967 mutwillig vom Zaun gebrochen. Auffällig ist vor allem, dass in diesem Film jeglicher Hinweis auf den Jom-Kippur-Krieg von 1973 fehlt. Und der lässt sich nun selbst bei bösestem Willen nicht Israel in die Schuhe schieben.

Zum Schluss geht es dann um die fehlgeschlagenen Versuche eines Friedens. Da konzentriert sich der Film auf die Siedlungsfrage, ohne zu erwähnen, dass in Camp David hier ein Gebietsaustausch schon zu 96% so gut wie vereinbart war, ehe Arafat einen Rückzieher machte. Er zog es vor, die 2. Intifada auszulösen.

Dass Olmert dennoch ein paar Jahre später der PLO ein Angebot machte, in dem er über die früheren Angebote von Rabin und Barak hinausging, das aber von Ramallah noch nicht einmal beantwortet wurde, verschweigt der Film.

Erwähnt wird auch nicht, dass für die arabische Seite das uneingeschränkte Rückkehr-Recht der Flüchtlinge, zu denen sie ja Millionen ihrer Nachkommen zählt, eine Kernforderung ist.

Auch wenn man Netanjahu womöglich mangelnde Aktivität in Richtung Frieden vorwerfen kann, so unterlässt der Film doch jeden Hinweis auf die begründete israelische Skepsis hinsichtlich der arabischen Friedensbereitschaft. Israel hat ja seine bitteren Erfahrungen mit der Intifada und der Entwicklung im Gaza-Streifen nach dessen Räumung gemacht.

So versäumt es der Film, dem Zuschauer den fatalen, kaum entrinnbaren Teufelskreis bewusst zu machen, in dem Israel steckt: Es muss für seine Sicherheit sorgen, zerstört dadurch aber bei den Arabern die mentalen Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden.

Ein Film, über den sich nur unsere Israelophoben freuen können.

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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