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Im Zeichen der Hündin

Sie habe gelitten wie eine Hündin, erklärte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, im Spiegel-Interview (21.11.2017) auf die Suggestiv-›Frage‹, ob sie sich nicht über die Kompromissbereitschaft der Grünen in der Frage der Obergrenze für Flüchtlinge geärgert habe: »Beim ›atmenden Deckel‹ in der Flüchtlingspolitik gab es jetzt aber schon viel Gegenwind von grüner Seite.« Nicht geärgert habe sie sich, nein, gelitten hingegen schon: Ärger schlägt Falten, Leid verschönt.

Siebgeber, sagte ich mir, so geht das nicht, und ich huschte hinaus, die erleuchtete Quadriga über mir und die Pfützen des November unter mir, aufglänzte der Große Stern, der Westen hatte mich wieder… Ein Traum ging mir durch den Kopf, ich hob die Augen empor zur Siegesgöttin, erwartete ihre Flügel zu sehen, die dicken wulstigen Bögen, und da … und da … kein Anblick, keine Erscheinung, eher the real thing: ich sah, zur Säule erstarrt, hoch in den niedrig ziehenden Wolken The Donald aus reinstem Gold, sprühend im Nieselregen, eine Fata Morgana, zweifellos, in meinen Breiten?

Bevor die tobsüchtige Rede vom Intellektuellen-Idioten weiter um sich greift, wie sie ein ›Philosoph und Finanzmathematiker‹ mit popular-publizistischem Drang jüngst in der NZZ skizzierte, sei hier ein kleiner Einspruch gestattet. Besagter Intellektuellen-Idiot, liest man in jenem Artikel, habe vorzugsweise an einer der Universitäten der Ivy League (oder einer ähnlich renommierten Elite-Einrichtung) studiert und den dort gelehrten Halbunsinn für sein weiteres Leben in Think-Tanks, Medien, Universitäten wie ein Löschblatt aufgesogen: Grund genug für den Verfasser, ihm auf immerdar das Vertrauen zu entziehen und auf Leute zu übertragen, die, wie offenbar er selbst, auf einer risikogesättigteren Basis ihr Leben verbringen, umgeben von wirklichen Menschen mit wirklichen Bedürfnissen und wirklichen Problemen in einer wirklichen Welt.

Einer der hellsichtigsten und verblendetsten Menschen, die je gelebt haben, Friedrich Nietzsche, sah die kommenden deutschen Niederlagen voraus und wollte dabei sein – was ihm mehr oder weniger gelang, als Stachel im Fleisch der Unterlegenen, die doch auch Gewinner sein wollten, und als Stichwortgeber der Wahnsinnigen, die das Land samt seinen und ihren Opfern in den Untergang peitschten. Nietzsches Andenken zerstören wollte die DDR, in einer dialektischen Volte gelang es ihr, sein Werk, durch die Bemühungen der italienischen Herausgeber Colli und Montinari von den Schlacken früherer Vereinnahmungen gereinigt, den interessierten Zeitgenossen mustergültig zu überantworten. So kann es gehen, wenn Denken verfügt wird. Die letzten irregeleiteten Schmuddel-Ururenkel des Philosophen sind womöglich jene Figuren der Nacht und der Internet-Anonymität, die ihren verunglückten Hass auf deutsche Autoritäten in Parolen und Handlungen ausmünzen, auf die der Ausdruck ›ehrlos‹ wahrscheinlich ebenso passt wie das Werkeln des Hufschmieds zum manipulierten Abgasmanagement eines modernen Mittelklasse-Autos.

Sie sind nicht xenophob? Das ist gut, Sie sind ein zivilisierter Mensch, mit Ihnen kann man sich unterhalten. Wie sagten Sie? Sie haben etwas gegen Fremdenhass? Ja sicher, das sagten Sie schon. Es ist Ihnen ein Anliegen? Wem ginge das nicht so angesichts all dessen, was dort draußen abgeht! Sie hassen Fremdenhasser? Nun, Sie müssen sie ja nicht lieben wie sich selbst … das ist gar nicht nötig ... es sei denn, Sie sprechen aus christlicher Nächstenliebe. Dann allerdings…

»Steinmeier außer Rand und Band« (Cicero): – Um es deutlich zu sagen: der Außenminister eines Landes, der den mittlerweile gewählten Präsidenten des Staates, von dem der eigene in allen wesentlichen Lebensbelangen – politisch, militärisch, ökonomisch, kulturell – abhängt, im Wahlkampf öffentlich als Hassprediger attackiert, ihm anschließend die Gratulation zur Wahl verweigert und schließlich im Spiegel-Interview verkündet: »… je eher wir wissen, wer in der neuen amerikanischen Administration außenpolitisch Verantwortung tragen wird, desto eher sind wir - hoffentlich - in der Lage, Anlass zur Sorge zu nehmen«, – ein solcher Außenminister ist angezählt und als Bundespräsident in spe nicht länger vermittelbar.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.