Siebgeber Ulrich

Mag sein, das Volk ist eine irrationale Größe. Doch daraus auf die Rationalität der Eliten zu schließen wäre, sagen wir ... nicht in Ordnung.

Und doch, man geht wie auf Strickleitern durch Ihre Texte. Immer mit einem Anflug von Höhenangst. Das strengt ganz schön an.
Laska Freyh auf Twitter

Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens

Aufnahme: Johannes R. Kandel

von Ulrich Siebgeber

Nirgendwo wird so viel gelogen wie auf dem Feld der Moral und nirgendwo so ausdauernd wie auf dem der Sexualmoral – jedenfalls dann, wenn man der allgemeinen Auffassung folgt. Ob’s stimmt? Der Gedanke, man könnte die sexuellen Aktivitäten der Leute per Fragebogen erfassen, hat seit dem ersten Kinsey-Report von 1948 die Gemüter bewegt, wenngleich mit nachlassender Intensität. Und siehe da, im gleichen Zeitraum scheint auch die sexuelle Aktivität der Bevölkerung von Erhebung zu Erhebung nachzulassen, als lohne es nicht mehr, sich für ein bisschen bedrucktes Papier hübsch verwegen zu lügen. Ein ähnliches Phänomen verrät die Plakatierung im aktuellen Europa-Wahlkampf: Für Europa? Ja sicher.

Weiterlesen ... Ein klebriger Geschmack namens Europa
Neogeografen [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

von Ulrich Siebgeber

Wäre ich nicht Siebgeber, ich wäre gern Moralist. Moralist sein ist einfach. Man folgt den Wegen der Einfalt, zumindest in Gedanken, und sagt: So machen’s alle. Man sagt es nicht im Tonfall der Überzeugung, sondern des Zweifels, und schon ist man ein gemachter Kritiker: Schaut, wie er’s macht! Man könnte sich, als kritischer Zeitgenosse, natürlich fragen, warum die Wege der Einfalt so ausgetreten und so vorhersehbar sind. Doch diese Frage bleibt besser unterdrückt, erstens, weil sie dem Gähnen so ähnelt, das erst als unterdrücktes kulturell etwas hermacht, zweitens, weil sie nicht ohne Tücke ist, denn nicht immer darf als ausgemacht gelten, was sie voraussetzt. Auch Einfalt liebt das Unerwartete.

Weiterlesen ... Der Mond über Soho
Frostedbubble2. Von Danielarapava - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45320273

von Ulrich Siebgeber

In den neuerdings sittsam gewordenen deutschen Medien konnte man gegen Ende des abgelaufenen Jahres lesen, die deutsche Kanzlerin habe in der angelsächsisch sprechenden Welt einen Sturm der Entrüstung entfacht. Warum? Weil sie in öffentlicher Rede das Wort ›shitstorm‹ verwendete. Ach du liebes bisschen. Haben die keine anderen Probleme? Andererseits, es ist ihre Sprache, sie besitzen also eine Art erstes Zugriffsrecht, sobald es um Verfehlungen auf diesem kniffligen Terrain geht. Das gesprochene, sich alsbald ins geschriebene verwandelnde Wort hat eine magische Kraft.

Weiterlesen ... Schuld des Werdens. Kleine Neujahrsrede mit *

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