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Ulrich Schödlbauer lehrte bis 2015 als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Er schreibt Gedichte, Prosa, Essays. Netzprojekte: Die versiegelte Welt und Das Alphazet. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der Kultur- und Kunsttheorie. Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für europäische Prozesse Iablis.

Renate Solbach: In dieser Nacht

von Ulrich Schödlbauer

Man kann den Beginn des Albtraums auf die ›absolute‹ Grenzöffnung vom 4. September 2015 datieren – und damit auf den Ausbruch eines jener halb verordneten, halb spontanen Räusche, mit denen Deutschland von Zeit zu Zeit seine näheren und ferneren Nachbarn verblüfft –, oder, wahlweise, auf die Kölner Silvesternacht vom Ende desselben Jahres, das ebenso abrupte Ende jener damals ausgerufenen kurzlebigen ›Willkommenskultur‹ –: ich bevorzuge, warum auch immer, als Tag der Wahrheit den 19. Dezember 2016, den Tag, an dem ein amtlich registrierter Gotteskrieger mit einem kurz zuvor per Kopfschuss erbeuteten Lkw in eine Budenstraße des Weihnachtsmarktes am Berliner Breitscheidplatz einbog, um Christen zu töten, ja, Christen, sie hören’s nicht gern, es klingt nach Beirut oder Bagdad, ganz recht, so darf es klingen, Bagdad ist überall, wie die muslimischen und nichtmuslimischen Zuwanderer, die sich dem Irrsinn entziehen wollten...

Weiterlesen ... Nie wieder Merkel

Sozialistischer Realismus (K.Neubauer 1969, TU Chemnitz), Wikimedia Commons

von Ulrich Schödlbauer

Die DDR ist in der Bundesrepublik Deutschland aufgegangen – die staatsrechtliche Formel suggeriert, neben dem Verschwinden, das Bild der aufgegangenen Saat: kein ganz beruhigendes Bild, wenn man, wie der Westteil des Landes in seiner überwältigenden Mehrheit, der Ostteil in seiner weit überwiegenden Mehrheit, von der Überlegenheit des westlichen Staats- und Gesellschaftskonzepts durchdrungen ist und kein Bedürfnis danach verspürt, von den Beharrungskräften jenes entsorgten Systems eingeholt zu werden. Wo Devotionalien kursieren, blüht Devotion.

Weiterlesen ... Kein heller Land. Die DDR der Diskurse

Wolf Vostell: Ruhender Verkehr (Köln 1969)

von Ulrich Schödlbauer

Wer, die Geschichte der Weimarer Republik im Hinterkopf, die heutige Parteienlandschaft, vor allem jedoch die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag nach der Wahl vom 24. September 2017 betrachtet, kommt um den bitteren Ausdruck ›Systemparteien‹ nicht herum. Als Parteien des Systems, häufig als ›liberale Ordnung‹ oder ›demokratische Ordnung‹ dieses Landes tituliert, stellen sich im gegenwärtigen Parteienspektrum die vier Parteien der ›alten Bundesrepublik‹ dar, die nach wie vor die Geschicke des Landes bestimmen: CDU/CSU, SPD, Freie Demokraten und Die Grünen. Folgt man ihrer aktuellen Selbstbeschreibung, dann stehen sie seit dem Sommer 2015 in einem heroischen Abwehrkampf ›gegen rechts‹, also gegen die einzige bislang erfolgreiche Neugründung einer Partei auf dem Boden der neuen, um die Länder der ehemaligen DDR erweiterten Bundesrepublik, die AfD.

Weiterlesen ... Die SPD und der Radwechsel