von Peter Brandt

War es möglich, die Abtrennung und spätere Absperrung der Ostberliner Bezirke, die Insellage Westberlins, den komplizierten Status der Halbstadt (Besatzungsgebiet, faktisch Teil der Bundesrepublik, aber ohne volle politische Teilnahme) als normal zu empfinden? Selbst nach der Beendigung der akuten Bedrohung schien es mir offensichtlich, dass speziell die Berliner Situation nur als Provisorium begriffen werden könne. Es war andererseits nicht zu übersehen, dass viele Jüngere, wenn sie keine verwandtschaftlichen Beziehungen nach Ost-Berlin oder Ostdeutschland hatten, durchaus imstande waren, den anderen Teil der Stadt und das Umland aus der Wahrnehmung auszublenden, jedenfalls als etwas zu betrachten, das mit der eigenen Realität kaum etwas zu tun hatte. Für mich hingegen hatte mein politisch-gesellschaftliches Engagement im Westen immer auch eine gesamtdeutsche Dimension.

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Herr Professor Brandt, was bedeuten zwanzig Jahre deutsche Einheit für Sie?

Brandt: Für mich ist es immer noch ein großes Glücksgefühl, dass die Mauer in meiner Heimatstadt Berlin gefallen und mein Vaterland wieder vereinigt ist. Andererseits dürfte Sie meine kritische Distanz zum gesellschaftspolitischen Inhalt und zur verfassungsrechtlichen Form der Vereinigung (Stichwort: Artikel 23 Grundgesetz) nicht überraschen.

Ist es für einen Sozialdemokraten und bekennenden Linken selbstverständlich, sich zu seinem Vaterland zu bekennen?

Brandt: Warum nicht?

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1. Herr Brandt, wofür brauchen wir ein Denkmal der deutschen Einheit?

Die friedliche Revolution und die Wiederherstellung der staatlichen Einheit sind Grund genug und zugleich Anlass, sich an die freiheitlichen Traditionen Deutschlands zu erinnern. Natürlich gehört die Erinnerung der nationalsozialistischen Massenverbrechen zum Kernbestand unseres nationalen Selbstverständnisses. Aber wir können den Jüngeren nur zumuten, dieses Erbe auf sich zu nehmen, wenn wir ihnen auch positive Identifikation anbieten. Ich erinnere mich an ein Transparent bei den Leipziger Demonstrationen 1989, auf das jemand die Zahlen geschrieben hatte: «1789 – 1848 – 1918 – 1989«. In dieser Tradition sollte das Denkmal gesehen werden.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.