Steffen Dietzsch: Bannkreis

Das Einstein in der Kurfürstenstraße – mit Dependancen ›Unter den Linden‹ und in der Friedrichstraße – ist das schönste und legendärste Caféhaus Wiener Prägung in Berlin. Man findet dort die tägliche Weltpresse ebenso wie Leute ›von Welt‹ (oder solche, die sich dafür halten): ›Monde‹ & ›Demi-Monde‹ reichlich, glücklich vereint. Dort auch sitzt der Flaneur, trifft sich mit Leuten, mit denen er beruflich zu tun hat, liest Zeitung, sieht schönen Frauen nach, unterhält sich über Ausstellungen, Theater etc. Die Kolumne von Steffen Dietzsch, Bannkreis, versammelt – in loser Folge – die Resultate seines Flanierens: kleine Glossen, Artikel zur Sache.

 

...neulich im Einstein

las ich von einer kindlichen Initiative zum Umwelt- & Klimaschutz, letztlich zur ›Bewahrung der Schöpfung‹. Ein helles schwedisches Mädchen, der Teenager Greta Thunberg, stellt sich tagtäglich vor den Stockholmer Reichstag, um gegen ökologische Versäumnisse ihrer politischen Umwelt zu warnen. Das ist ihre selbstbewusste, freie und rechtsstaatlich gebotene Entscheidung. Das kam nicht von ungefähr, da wirkt skandinavisches Blaukreuzler-Erbe bis heute. Schon als sie zwölf war, entschloss sie sich – anders als Michel aus Lönneberga –, kein Fleisch mehr zu essen und niemals zu fliegen. Das bleibt natürlich immer die ganz persönliche Entscheidung jedes Einzelnen.

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… neulich im Einstein,

draußen, im herrlich schattigen Garten, las ich in Hugo von Hofmannsthals Aufzeichnungen vom August 1904:

»Es ist der wundervolle regenlose Sommer, wie vielleicht seit Jahrhunderten keiner da war. Im unteren Land ist furchtbare Dürre. Täglich sind in allen Ländern große Brände von Dörfern und Wäldern. Auch der berühmte Wald von Fontainebleau brennt zum größten Teil. Aus der Elbe und andern fast vertrockneten Flüssen steigen die ›Hungersteine‹. Einer trägt die Jahreszahl 1484 und die Inschrift: ›Wenn ihr mich sehen werdet, werdet ihr weinen‹.«

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… neulich im Einstein,

aber diesmal wieder bei Einstein Bros. in Boulder/Co, las ich bei meiner Tischnachbarin auf der Rückseite einer sie augenscheinlich amüsierenden Lektüre: He is an asshole, the problem with Taleb is that he is right. Es war der gerade erschienene Band Skin in the Game. Hidden Asymmetries in Daily Life von Nassim Nicholas Taleb.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.